Studie: Akupunktur gegen Rückenschmerzen wirksam und kosteneffektiv
Montag, 18. September 2006
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| dpa |
York - Unabhängig davon, ob die Akupunktur eine „echte“ physiologische Wirkung erzielt, oder ob die Linderung der Schmerzen nur dem Glauben an die Therapie und der intensiveren Zuwendung durch den Therapeuten zu verdanken ist, ziehen nach einer offenen Studie im Britischen Ärzteblatt viele Patienten einen Nutzen aus der Behandlung. Dieser war nach 2 Jahren größer als bei einer konventionellen Therapie. Nach den Berechnungen in einer zweiten Studie war die personalintensive Akupunktur sogar kosteneffektiv.
Im Rahmen der Studie wurden 241 Patienten auf zehn Akupunktursitzungen oder eine konventionelle Therapie randomisiert. Die Akupunktur wurde von qualifizierten Mitgliedern des British Acupuncture Councils durchgeführt. Die konventionelle Therapie übernahmen Hausärzte. Dabei kam ein Mix von Behandlungen inklusive Ergotherapie zum Einsatz, die Wahl blieb dem Hausarzt überlassen. Hausarzt und Akupunkteur durften den Patienten auch Massagen verordnen und ihnen Tipps zur Ernährung und Lebensführung geben. Primärer Endpunkt war die Verbesserung in der Schmerzangabe im sogenannten SF36-Fragebogen, einem validierten Instrument zur Bestimmung der Lebensqualität.
In beiden Gruppen kam es zu Verbesserungen, die jedoch unter der Akupunktur etwas deutlicher ausfielen. Auch die Patientenzufriedenheit war höher. Während beide Gruppen nach 12 Monaten noch in etwa „gleich auf“ lagen, waren die Ergebnisse der Akupunkteure nach 24 Monaten um etwa 10 bis 15 Prozent besser, berichten Hugh MacPherson von der Universität York und Mitarbeiter (BMJ 2006; doi:10.1136/bmj.38878.907361.7C). Die Studie belegt damit erstmals die Langzeitwirkung der Akupunktur-Sitzungen, die – ebenso wie die Behandlung durch die Hausärzte – nur über 3 Monate durchgeführt worden waren.
Anders als vielfach angenommen, waren die Kosten der Akupunktur nicht wesentlich höher als die Behandlung durch die Hausärzte. Während der gesamten zwei Jahre entstanden dem Staatlichen Gesundheitsdienst (National Health Service) Kosten von 673 Euro pro Patienten in der Akupunkturgruppe und 506 Euro in der Vergleichsgruppe. Diese Zahlen umfassen allerdings die Gesamtkosten, also nicht allein die Ausgaben für die Akupunktur, die etwa die Hälfte ausmachten, sondern auch die späteren Behandlungskosten. Da die Akupunktur eine etwas bessere Wirkung erzielte, waren auch diese Folgekosten niedriger.
Das erklärt das relativ günstige Verhältnis, aus dem die Autoren die Kosten für ein zusätzliches Lebensjahr in guter Lebensqualität (QALY für „quality adjusted life years“) errechnet haben. Sie kommen auf einen Wert von 6.223 Euro oder 4.241 britische Pfund. Dieser Wert liegt deutlich unterhalb der Schwelle von 20.000 britischen Pfund, die das National Institute for Health and Clinical Excellence (NICE) als Grenze für die Kosten-Effektivität festgelegt hat (BMJ 2006; doi:10.1136/bmj.38932.806134.7C). Ob die Akupunktur zu einer Leistung des National Health Service wird, wird sich möglicherweise im Jahr 2008 entscheiden, war in der britischen Presse zu lesen. © rme/aerzteblatt.de
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