Ann Arbor/Michigan - Obwohl die Früherkennung von Nierenkrebs in den letzten Jahren deutlich verbessert wurde und immer mehr Tumoren operativ entfernt werden, ist nach einer Studie im Journal of the National Cancer Institute (JNCI 2006; 98: 1331-1334) die Sterblichkeit angestiegen. Die Autoren diskutieren die Ursachen für diesen „treatment disconnect“. Eine Kohortenstudie aus Schweden kommt im US-amerikanischen Ärzteblatt zu dem Ergebnis, dass häufige Fischmahlzeiten dem Tumor vorbeugen könnten.
Besser als die Früherkennung wäre eine Vorbeugung des Nierenzellkarzinoms. Seit einiger Zeit gibt es Hinweise, dass häufige Fischmahlzeiten eine präventive Wirkung haben könnten. Dies wird auf den hohen Gehalt an Vitamin D zurückgeführt. Vitamin D, das bekanntlich in der Niere metabolisiert wird, soll eine antiproliferative Wirkung haben, weshalb eine hohe Zufuhr in der Nahrung ein Krebswachstum verhindern könnte. Erst kürzlich wurde übrigens in Cancer Epidemiology Biomarkers & Prevention (2006 15: 1688-1695) eine Auswertung der beiden prospektiven Beobachtungsstudien Health Professionals Follow-up Study und Nurses' Health Study vorgestellt. Dort war eine hohe Zufuhr von Vitamin D (über 600 IU/die) mit einer um 41 Prozent niedrigeren Rate auf ein Pankreaskarzinom assoziiert (Relatives Risiko RR 0,59; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,40-0,88). Auch im Pankreas wird Vitamin D metabolisiert.
Um den Einfluss von Vitamin D auf die Entstehung eines Nierenzellkarzinoms zu untersuchen, hat Alicja Wolk vom Karolinska Institut in Stockholm die Daten schwedischer Frauen untersucht, die zwischen März 1987 und Dezember 1990 am Mammographie-Screening teilgenommen hatten. Dabei hatten sie auch Fragebögen zu ihren Ernährungsgewohnheiten ausgefüllt, und ein Abgleich mit dem nationalen Krebsregister ist in Schweden schnell möglich. Da Vitamin D vor allem im Fettgewebe gespeichert wird, es aber auch ausgesprochen fettarme Fische gibt (Stockfisch, Thunfisch, viele Süßwasserarten oder andere Meerestiere wie Shrimps, Hummer oder Langusten), beschränkte Wolk ihre Analyse, die jetzt im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2006; 296: 1371-1376) publiziert wurde, auf fettige Fische (zum Beispiel Lachs, Hering, Sardinen, Makrele).
So konnte sie ihre Hypothese bestätigen: Frauen, die angegeben hatten, wenigstens einmal pro Woche fettigen Fisch zu essen, erkrankten zu 44 Prozent seltener an einem Nierenzellkarzinom (RR 0,56; 0,35-0,91) als andere. Im Jahr 1997 hatten die Frauen erneut einen Ernährungsfragebogen ausgefüllt. Und die Frauen, die auch hier mindestens eine Mahlzeit pro Woche mit fettigem Fisch angegeben hatten, erkrankten sogar zu 74 Prozent seltener an einem Nierenzellkarzinom (RR 0,26; 0,10-0,67). Nach Angabe der Forscherin konnte damit erstmals ein Zusammenhang zwischen hohem Konsum fettiger Fische und einer niedrigen Nierenkrebsrate gezeigt werden. Ein Beweis für eine protektive Wirkung ist es indes nicht. Der kann durch eine Beobachtungsstudie nicht geführt werden. Notwendig wären hier Interventionsstudien mit der Einnahme von Vitamin D.
© rme/aerzteblatt.de
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