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Erhöhtes Krebsrisiko von Diabetikern

Dienstag, 26. September 2006

Tokio - Ein seit langem vermutetes erhöhtes Krebsrisiko von Diabetikern konnte jetzt erstmals in einer größeren prospektiven Beobachtungsstudie aus Japan bestätigt werden. Danach muss bei männlichen Diabetikern mit dem vermehrten Auftreten von Karzinomen in Leber, Pankreas oder Niere gerechnet werden, während bei Frauen Magen- und Leberkarzinome, vielleicht auch Ovarialkarzinome häufiger waren. Dies geht aus einer Publikation in den Archives of Internal Medicine (2006; 166: 1871-1877) hervor, die allerdings keine Kausalität belegen kann.

Auch wenn der Typ-2-Diabetes mellitus nicht wie hierzulande zu einer Volkskrankheit geworden ist, steigt auch in Japan die Prävalenz. Derzeit soll es 7,4 Millionen Diabetiker geben und bis 2025 sollen 8,7 Prozent der Bevölkerung unter den Folgen von Fehlernährung und Bewegungsmangel leiden. Dies erklärt das Interesse von Manami Inoue vom Nationalen Krebszentrum in Tokio und Mitarbeitern. Diese konnten auf die Daten der JPHC-Studie (Japan Public Health Center-based Prospective Study on Cancer and Cardiovascular Diseases) zurückgreifen.

Im Rahmen dieser prospektiven Beobachtungsstudie wurden in den Jahren 1990 bis 1994 rund hunderttausend Japaner im Alter von 40 bis 69 Jahren nach ihren Lebens- und Ernährungsgewohnheiten befragt. Die Epidemiologen hatten sich damals auch nach einer Diabetesdiagnose oder der Einnahme von Diabetesmedikamenten erkundigt. Damals waren 6,7 Prozent der Männer und 3,1 Prozent der Frauen Diabetiker. Die Epidemiologen durchsuchten in verschiedenen Kranken- und Krebsregistern des Landes und in den Todesbescheinigungen nach Hinweisen auf spätere Krebserkrankungen der Studienteilnehmer. Sie fanden 6.462 Diagnosen, auf denen die folgenden Ergebnisse basieren. 

Männer mit Diabetes hatten ein um 27 Prozent signifikant erhöhtes Risiko auf eine spätere Krebserkrankung (Hazard Ratio HR 1,27; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,14-1,42). Bei Frauen bestand eine um 21 Prozent erhöhte Tendenz (HR 1,21; 0,99-1,47). Das sind zwar keine bedrohlichen Werte, doch für einige Tumoren wurde in etwa eine Verdopplung des Risikos gefunden. Bei Männer mit Diabetes mellitus traten Krebserkrankungen in Leber (HR 2,24; 1,64-3,04), Pankreas (HR 1,85; 1,07-3,20) und Nieren (HR 1,92; 1,06-3,46) signifikant häufiger auf. Bei den Frauen mit Diabetes gab es eine signifikante Assoziation mit Krebserkrankungen in Magen (HR 1,61; 1,02-2,54) und Leber (HR 1,94; 1,00-3,73). Hinzu kommt eine grenzwertige Assoziation mit dem Ovarialkarzinom (HR 2,42; 0,96-6,09).

Wie immer bei prospektiven Beobachtungsstudien lässt sich eine Kausalität nur schwer aus den Ergebnisse ableiten. Es ist durchaus möglich, dass andere den Typ-2-Diabetes mellitus begleitende Faktoren (etwa das Übergewicht) für die Assoziationen verantwortlich sind. Völlig unplausibel wäre ein Zusammenhang jedoch nicht. Denn das Hormon Insulin, dessen Konzentration bei Menschen mit Typ-2-Diabetes mellitus in der Regel erhöht ist, gehört zu den Wachstumsfaktoren, die im Prinzip auf Tumorzellen wirken. Denkbar ist, dass Insulin das Wachstum von aus anderen Gründen entstandenen Tumoren beschleunigt. © rme/aerzteblatt.de

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