Medizin

ADHS: Methylphenidat im Vorschulalter in niedriger Dosis sicher und effektiv

Dienstag, 17. Oktober 2006

New York - Da sich die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) häufig schon im Vorschulalter bemerkbar macht, setzen einige Pädiater das Mittel bereits in einer Altersgruppe ein, für die es keine Zulassung gibt. Eine Studie des US-National Institute of Mental Health (NIMH), die in der Novemberausgabe des Journal of the American Academy of Child and Adolescent Psychiatry publiziert wird, liefert jetzt erstmals Daten zur Wirksamkeit und Effektivität in dieser Altersgruppe. Die Ergebnisse sprechen für den Einsatz einer möglichst niedrigen Dosierung, auch im Hinblick auf die noch immer unklaren Auswirkungen auf das Wachstum der Kinder.

An der Preschool ADHD Treatment Study (PAT), die an mehreren US-Zentren durchgeführt wurde, beteiligten sich 303 Kinder im Alter von 3 bis 5 Jahren. Sie lagen also unter der derzeitigen Altersgrenze, die den Einsatz bei Kindern ab 6 Jahren (in den USA wie in Deutschland) erlaubt. Um an der Studie teilnehmen zu dürfen, musste eine zehnwöchige Verhaltenstherapie fehlgeschlagen sein. Zudem wurden nur Kinder mit besonders extremen Verhaltensauffälligkeiten in die Studie aufgenommen. Im ersten Abschnitt der Studie wurden sie mit unterschiedlichen Dosierungen von Methylphenidat behandelt. Die Breite reichte von 3,75 mg/die bis zu 22,5 mg/die. Zum Vergleich: Die üblichen Dosierungen bei Schulkindern liegen zwischen 15 und 50 mg/die.

Wie die Gruppe um Laurence Greenhill vom New York State Psychiatric Institute mitteilte, war die Wirkung von Methylphenidat in der Regel besser als im Placeboarm der Studie. Um die ADHS-Symptome wirkungsvoll zu unterdrücken, benötigten die Kinder im Durchschnitt eine Tagesdosis von 14 mg/die. Greenhill betont allerdings, dass die effektive Dosis stark schwanken kann, einige Schüler kommen mit weniger aus, andere benötigen etwas mehr, aber insgesamt immer weniger als ältere Kinder.

Diese niedrige Dosis wurde von 89 Prozent der Vorschulkinder gut vertragen, schreiben die Autoren. Immerhin 11 Prozent der Kinder brachen die Studie jedoch wegen Nebenwirkungen ab. Zu den beunruhigenden Folgen einer Methylphenidat-Behandlung gehört eine Gewichtsabnahme. Ein Gewichtsverlust von mehr als 10 Prozent führte zum Abbruch der Therapie. Dies geschah im Hinblick auf mögliche Wachstumsstörungen, die auch bei älteren Kindern aufgefallen sind  und deren langfristige Folgen noch nicht abzusehen sind. Das NIMH hat deshalb eine auf 5 Jahre angelegte Studie begonnen. Sie soll die möglichen Spätfolgen der Therapie auf Kognition und Verhalten untersuchen. Erste Ergebnisse werden erst in 3 Jahren vorliegen.

Andere Nebenwirkungen waren Schlafstörungen, Appetitverlust, Verstimmungen wie Nervosität oder Beunruhigungen sowie häufiges Nesteln an der Haut. Anders als befürchtet, waren die Veränderungen im Blutdruck und im Puls minimal. Die Studie zeigt nach Ansicht der Autoren, dass Methylphenidat bei Vorschulkindern wirksam ist und dabei  oft eine niedrige Dosierung ausreicht. Aufgrund der potenziellen Nebenwirkungen sollte der Einsatz bei Kindern jedoch, wenn man überhaupt darauf zurückgreift, sehr zurückhaltend erfolgen, schreiben sie.
© rme/aerzteblatt.de

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