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Fruchtwasserembolie nach induzierter Geburt häufiger

Freitag, 20. Oktober 2006

Montreal - Obwohl sie insgesamt sehr selten auftritt, ist die Fruchtwasserembolie in den Industrieländern die häufigste Ursache für die Müttersterblichkeit. Ein wesentlicher Risikofaktor ist nach den Ergebnissen einer bevölkerungsbasierten Kohortenstudie im Lancet (2006; 368: 1444-1448) die medikamentöse Induktion der Geburt.

Die medikamentöse Geburtseinleitung wird in der Geburtshilfe immer häufiger verwendet. Bei einigen Kliniken soll der Anteil über 20 Prozent liegen, was kaum noch durch medizinische Gründe erklärbar ist. Immer häufiger scheint der Wunsch nach einer schnellen Geburt Anlass zu einer gezielten Auslösung der Geburt zu sein. 

Zu den bisher nicht bekannten Risiken könnte eine Fruchtwasserembolie gehören, also das Eindringen von Amnionflüssigkeit in den Blutkreislauf der Mutter. Dies ist ein seltenes Ereignis. Nach der Analyse sämtlicher Klinikdaten aus den meisten kanadischen Provinzen kommt Michael Kramer von der McGill Universität in Montreal auf eine Häufigkeit von einer Fruchtwasserembolie auf 17.000 Geburten. Wenn die Komplikation auftritt, endet sie allerdings oft tödlich. Die kanadischen Autoren errechnen eine Case-Fatality-Rate von 13 Prozent. Das ist im Vergleich zu anderen Studien sogar noch niedrig, meint der Editorialist Jason Moore von der Universität Pittsburgh (Lancet 2006; 368: 1399-1401). Denn die Erkrankung, für die es keinen Labortest oder andere Marker gibt, verläuft foudroyant und kann innerhalb kurzer Zeit zum Tod führen, auch in der heutigen Umgebung einer High-Tech-Geburtshilfe.

Umso wichtiger ist es, Risikofaktoren zu kennen. Zu diesen müssen die Geburtshelfer nach der jetzigen Studie die medikamentöse Geburtseinleitung zählen. Sie verdoppelt nach den jetzt publizierten Ergebnissen das Risiko einer Fruchtwasserembolie (adjustierte Odds Ratio 1,8; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,3-2,7). Kommt es zu einer Embolie, ist das Risiko eines tödlichen Ausgangs mehr als verdreifacht (Odds Ratio 3,5; 1,5-8,4). 

Die Forscher ermittelten noch weitere Risikofaktoren: Die Fruchtwasserembolie trat häufiger auf bei Mehrlingsgeburten, bei älteren Frauen, bei einer anschließenden Schnittentbindung oder instrumentellen vaginalen Entbindung, bei Frauen mit Eklampsie, Polyhydramnion, abnormer Plazentalage oder vorzeitiger Plazentaablösung sowie bei Verletzungen der Zervix oder einer Uterusruptur.

Die Forscher betonen, dass die Erhöhung des absoluten Risikos für eine Fruchtwasserembolie für Frauen, bei denen die Geburt eingeleitet wird, nur sehr gering ist: vier bis fünf Fälle pro 100 000 Einleitungen, davon zwei tödliche. Dennoch erklären sie, dass bei vier Millionen Geburten pro Jahr und Einleitungsraten von beinahe 20 Prozent in den USA, diese Praxis allein in den USA jährlich bei 30 bis 40 Frauen eine derartige Komplikation verursachen könnte, einschließlich 10 bis 15 Todesfällen. © rme/aerzteblatt.de

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