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Molekül BH4 entscheidend an Schmerzbildung beteiligt

Mittwoch, 25. Oktober 2006

Massachusetts – Das Molekül BH4 ist entscheidend an der Entwicklung chronischer Schmerzen beteiligt. Dies beschreibt eine internationale Arbeitsgruppe mit Sitz im Massachusetts General Hospital (MGH). Sie veröffentlichte ihre Ergebnisse im Fachblatt Nature Medicine (vorab online veröffentlicht: doi:10.1038/nm1490). Die gedruckte Ausgabe des Papers wird in der Novemberausgabe von Nature Medicine erscheinen.

Frühere Studien an Tieren haben gezeigt, dass bestimmte Gruppen von Nagetieren ein signifikant unterschiedliches Risiko besitzen, neuropathische oder entzündungsbedingte Schmerzen zu entwickeln. Neuropathischer Schmerz resultiert aus Nervenläsionen, während beim entzündungsbedingten Schmerz das Immunsystem durch Mediatoren Schmerzreize auslöst. Bisher konnte jedoch keine Studie belegen, dass genetische Faktoren zum Risiko der Entwicklung neuropathischer Schmerzen beim Menschen beitragen.

Die Arbeitsgruppe des MGH hatte in Versuchen festgestellt, dass Nervenschäden bei Ratten die Regulation hunderter Gene in betroffenen Neuronen verursachten. In der aktuellen Studie untersuchten die Forscher diese Gene genauer und machten drei Gene aus, die bei Nervenschäden vermehrt exprimiert wurden. Diese Gene kodieren Enzyme, die an der Produktion und am Recycling des Moleküls BH4 beteiligt sind. BH4 ist essenziell für die Produktion von Serotonin, Dopamin und Noradrenalin. Im Tierversuch fanden die Forscher heraus, dass BH4-synthetisierende Enzyme in verletzten sensorischen Neuronen aktiviert wurden. Inhibitoren dieser Enzyme zeigten analgetische Wirkung. Die direkte Injektion von BH4 führte bei den Versuchstieren zu einer verstärkten Reaktion auf Schmerzreize.

Aufgrund dieser Beobachtungen gingen die Forscher davon aus, dass menschliche Gene, die an der Regulation von BH4 beteiligt sind, eine Rolle bei der Intensität der Reaktion auf Schmerzreize spielen. Daher durchsuchten sie die Gewebe von 168 Patienten nach BH4, die an einer Studie zu Bandscheibenoperationen teilgenommen hatten. Sie verglichen die Ergebnisse mit Daten, die sie von 400 gesunden Freiwilligen erhielten. Insgesamt zeigte sich, dass niedrige BH4-Spiegel mit geringerem Schmerz assoziiert waren.

„Unsere Resultate sagen uns, dass BH4 ein Schlüsselmolekül in der Schmerzproduktion ist. Geht es hoch, erfährt man Schmerzen. Ist es nicht erhöht, spürt man weniger Schmerz“, analysiert Clifford Woolf, Direktor der Neural Plasticity Research Group des MGH Department of Anesthesia and Critical Care. Die Forscher erhoffen sich von diesen Resultaten neue Möglichkeiten für viele Anwendungsgebiete in der Medizin, beispielsweise der Therapie chronischer Schmerzen. „Wir müssen nun genau herausfinden, was BH4-kontrollierende Enzyme nach Nervenläsionen aktiviert und wie BH4 genau auf Nozizeptoren wirkt“, so Woolf. © hil/aerzteblatt.de

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