Ausland

Schweizer Kommission warnt vor Missbrauch bei Suizid-Hilfe

Freitag, 27. Oktober 2006

Bern - Die Schweizer Ethikkommission hat mehr Sorgfalt und besseren Lebensschutz im Rahmen der gesetzlich erlaubten Beihilfe zum Selbstmord gefordert. Derzeit sei zu befürchten, „dass zu stark allein auf das Prinzip der Selbstbestimmung abgestellt“ werde, heißt es in einer am Freitag in Bern veröffentlichten Stellungnahme der „Nationalen Ethikkommission im Bereich Humanmedizin (NEK)“. Die „Gebote des Lebensschutzes und der Fürsorge“ müssten größeres Gewicht erhalten.

Das Ethik-Gremium stellt Kriterien auf, die eine Sterbehilfeorganisation in der Schweiz vor einer Hilfe beim Selbstmord beachten müsse. So müsse der Suizidwunsch aus „einem schweren, krankheitsbedingten Leiden“ und nicht etwa durch psychische Erkrankungen entstanden sein. Jeder äußere Druck auf den Suizidwilligen müsse genauso ausgeschlossen sein wie ein finanzielles Interesse der Organisationen.

Zudem fordern die 23 Ethik-Berater des Schweizer Bundesrates, dass es vor einer Selbsttötung mehrere persönliche Beratungsgespräche mit den Betroffenen geben müsse. Diese dürften keineswegs durch schriftliche Kontakte ersetzt werden. Zudem dürfe niemals nur ein Berater allein entscheiden; ein unabhängiger Gesprächspartner müsse ebenfalls mit dem Patienten sprechen und feststellen, dass alle anderen Möglichkeiten, das Leid zu lindern, ausgeschöpft seien.

Große Gefahren des Missbrauchs sieht der Ethikrat bei mangelnder Transparenz seitens der Sterbehilfeorganisationen. Diese müssten auch ihre Finanzen offen legen. Zuletzt gab es in der Schweiz mehrfach Vorwürfe der persönlichen Bereicherung gegen einzelne Mitglieder von Sterbehilfeorganisationen.

In der Schweiz gilt eine im Vergleich zu den meisten europäischen Staaten sehr liberale Regelung für assistierten Selbstmord. In Deutschland ist jede Hilfestellung zum Suizid genauso verboten wie jede Form aktiver Sterbehilfe. In Artikel 115 des Schweizer Strafgesetzbuches heißt es dagegen, dass die Beihilfe straffrei ist, so lange sie nicht aus „selbstsüchtigen Motiven“ erfolgt und der Betreffende nicht zur Selbsttötung verleitet wurde.

Die NEK wurde 2001 von der Schweizer Regierung, dem Bundesrat, eingesetzt und hat ein beratendes Mandat. Die Ethikkommission ist mit Vertretern aus Medizin, Ethik und angrenzenden Fachbereichen besetzt. Sie hat die Aufgabe, ethische Fragen in der Entwicklung der Medizin und der biomedizinischen Wissenschaften vorausschauend zu beobachten und Richtung weisend Stellung zu nehmen. Ihre Beschlüsse haben keine bindende Wirkung.

Kernaufgabe der NEK ist zudem, die Öffentlichkeit über wichtige Erkenntnisse zu informieren und die ethische Diskussion in der Gesellschaft zu fördern. Die Kommission kann vom Bundesrat, dem Parlament und den Kantonen um Beratung ersucht werden und selbstständig Themen aufgreifen. Wie der deutsche Nationale Ethikrat kann die NEK öffentliche Veranstaltungen oder Anhörungen durchführen. © kna/aerzteblatt.de

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