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Genvariante schützt vor Morbus Crohn

Freitag, 27. Oktober 2006

New Haven - Ein internationales Forscherteam hat eine Genmutation entdeckt, die Menschen offenbar vor einem Morbus Crohn schützt. Es handelt sich um eine Variante im Rezeptor für das Zytokin Interleukin 23 (IL23). Es steuert entzündliche Prozesse im Körper, die von zentraler Bedeutung für die Pathogenese von entzündlichen Darmkrankungen (IBD) sind, zu denen neben dem Morbus Crohn auch die Colitis ulcerosa zählt. Die Publikation in Science Express (2006; doi: 10.1126/science.1135245) könnte zu neuen Behandlungsansätzen führen.

Die Häufung von IBD in bestimmten ethnischen Gruppe, etwa den Ashkenasi-Juden, hat Wissenschaftler schon lange eine genetische Komponente vermuten lassen. Um diese zu finden, hat das Inflammatory Bowel Disease (IBD) Genetics Consortium das gesamte menschliche Genom gescreent. Sie verglichen 300.000 Genvarianten, sogenannte single nucleotide polymorphisms oder SNP, auf 22.000 Genen, ob sie bei Patienten mit Morbus Crohn besonders häufig auftraten. 

Zunächst konnten die Forscher um Judy Cho von der Yale-Universität in New Haven bestätigen, dass ein bereits bekanntes Gen mit der Bezeichnung Nod2 oder CARD15 mit der Erkrankung assoziiert ist. Die Veränderungen auf diesem Gen erklärten jedoch nicht alle Erkrankungsfälle.

Bei der weiteren Suche stieß das amerikanisch-kanadische Team auf ein Gen auf dem Chromosom 1p31. Es kodiert eine Untereinheit für den Rezeptor des pro-inflammatorischen Zytokins IL23. Hier gibt es eine Punktmutation, die zu einer Variante namens „rs11209026“ führt. Diese Variante ist bei Patienten mit Morbus Crohn viermal seltener als bei Gesunden. Andere Genvarianten auf den nichtkodierenden Abschnitten dieses Gens waren ebenfalls mit der Erkrankung assoziiert.

IL23 ist ein Zytokin, das vor allem bei Entzündungsprozessen im Gastrointestinaltrakt eine Rolle spielt, worauf auch tierexperimentelle Studien hinweisen. Tiere, die kein IL23 haben, zeigen im Darm eine verminderte Antwort auf Entzündungsreize. Dies macht IL23 zu einem vielversprechenden neuen Ansatzpunkt für die Arzneimittelforschung. Substanzen, die den IL23-Rezeptor blockieren (oder den Liganden IL23 neutralisieren), könnten möglicherweise die entzündlichen Prozesse unterbinden. Nach Auskunft der Forscher soll ein Antikörper, der IL23 blockiert, in ersten klinischen Tests eine Wirkung erzielt haben. © rme/aerzteblatt.de

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