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Antibiotikaresistenz: Kann Impfung vor tödlichen MRSA schützen?

Dienstag, 31. Oktober 2006

Chicago - Die Entschlüsselung des Erbguts von Krankheitserregern regt die Entwicklung neuartiger Impfstoffe an. In den Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS 2006; doi:10.1073/PNAS.0606863103) stellt ein Forscherteam aus Chicago eine neue Vakzine vor, welche die Aufmerksamkeit des Immunsystems gezielt auf multiresistente Staphylokokken richtet. 

Früher war die Impfstoffherstellung ein mühsames Unterfangen. Die Forscher versuchten aus abgetöteten (aber in ihrer Oberflächenstruktur möglichst unveränderten) Erregern einen Impfstoff herzustellen. Oder sie setzten darauf, dass die Erreger nach vielen Passagen durch Versuchstiere allmählich ihre Pathogenität einbüßten, nicht aber die für die Impfstoffwirkung wichtige Immunogenität. Die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs war mehr oder weniger ein Glücksfall. 

Heute gehen die Forscher gezielter vor. Ihre Suche beginnt in der Regel am Computer. Sie durchforsten Gendatenbanken nach Abschnitten im Erbgut der Erreger, die Eiweiße auf der Zellmembran kodieren könnten. Nur dort sind sie für das Immunsystem des Infizierten erkennbar. Nur dann kann es zur Bildung von neutralisierenden Antikörpern kommen. 

„Reverse Impfstoffentwicklung“ („reverse vaccinology“) nennen die Forscher dieses Verfahren, bei dem dann die am Bildschirm identifizierten Kandidatengene in echte Proteine umgesetzt werden. Olaf Schneewind und Mitarbeiter der Universität Chicago entschieden sich für 19 Oberflächenproteine von Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA)-Bakterien. Diese wurden dann an Versuchstieren getestet. Die vier Antigene mit der stärksten immunogenen Wirkung wurden schließlich zu einem Impfstoff kombiniert. Er könnte der Prototyp für einen Impfstoff gegen einen der am meisten gefürchteten Klinikkeime sein.

Wie die Forscher berichten, war der Impfstoff mit den Proteinen IsdA, IsdB, SdrD und SdrE in der Lage, Mäuse vor einer Erkrankung zu schützen. Im ersten Versuch wurden zehn Tiere geimpft und dann mit einem tödlichen MRSA-Stamm infiziert. Alle Tiere überlebten. Im nächsten Schritt wurden jeweils zehn weitere Tiere mit einem von fünf weiteren MRSA-Stämmen geimpft. Dieses Mal schützte der Impfstoff gegen zwei Stämme, darunter der Stamm USA400, der sich derzeit außerhalb von Kliniken („community-acquired“) ausbreitet und als äußerst virulent gilt. Bei den anderen drei Stämmen überlebten 60 bis 90 Prozent der Mäuse. Bei dem in den Kliniken weit verbreiteten Keim USA100 waren es 60 Prozent.

Dies zeigt, dass der Impfstoff noch nicht völlig ausgereift ist, zumal es noch weitere Stämme gibt, gegen die bisher noch nicht getestet wurde. Vom Ansatz her sehen sich die Forscher aber auf dem richtigen Weg. Mit einer ähnlichen Technik waren in den letzten Jahren erfolgreiche Impfstoffe gegen Streptokokken der Gruppen A und B und gegen Meningokokken der Gruppe B entwickelt worden. © rme/aerzteblatt.de

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