Malaria: Überraschendes Comeback für Chloroquin – In Malawi zu 99 Prozent wirksam
Donnerstag, 9. November 2006
Baltimore - Der vollständige Verzicht auf die Verwendung von Chloroquin seit 1993 hat im afrikanischen Land Malawi dazu geführt, dass dort fast alle Plasmodium falciparum-Stämme wieder empfindlich auf das alte Medikament reagieren. In einer randomisierten kontrollierten Studie im New England Journal of Medicine (NEJM 2006: 355: 1959-1966) war Chloroquin zu 99 Prozent erfolgreich. Es wirkte besser und schneller als andere Therapien.
Über ein halbes Jahrhundert lang war Chloroquin das wichtigste und am häufigsten eingesetzte Malariamedikament gewesen. Es war einfach zu dosieren, sehr gut wirksam, hatte kaum Nebenwirkungen und war nicht zuletzt mit Kosten von 10 Cent pro Behandlung sehr günstig. Hunderte von Tonnen des Wirkstoffs wurden eingesetzt. Das Medikament war, wie Nicholas White von der Universität Bangkok in Thailand schreibt (NEJM 2006; 355: 1956-1957), so verbreitet, das der Wirkstoff bei vielen Bewohnern der Malaria-Endemieländer im Blut nachweisbar war. Dies lag unter anderem auch an der langsamen Eliminierung des Wirkstoffs aus dem Körper. Dies erhöhte aufseiten der Erreger den Selektionsdruck. Um nicht vollständig verdrängt zu werden, musste er mutieren, und bereits in den 50er-Jahren kam es zum Auftreten der ersten Resistenzen, die sich in den kommenden Jahrzehnten fast global ausbreiteten.
Als erstes Land Afrikas verzichtete Malawi 1993 vollständig auf den Einsatz von Chloroquin. Niemand hatte erwartet, dass dies zu einem Zurückdrängen der chloroquin-resistenten Erreger führen würde. Diese verdanken ihre Resistenz einer Mutation im PfCRT-Gen. Es kodiert einen Transporter, über den der Erreger sich des Medikaments entledigt, bevor es ihm gefährlich werden kann. Die Experten hatten den Einfluss der Mutation auf die „Fitness“ von Plasmodium falciparum als neutral, wenn nicht sogar als positiv bewertet. In Wirklichkeit schwächt es aber den Erreger, der unter dem fehlenden Selektionsdruck innerhalb eines Jahrzehntes völlig aus Malawi verschwand, wie Miriam Laufer von der Universität von Maryland in Baltimore bereits in früheren Untersuchungen festgestellt hatte.
Die Probe aufs Exempel ist ein neuer Therapieversuch mit Chloroquin, der jetzt ungewöhnlich erfolgreich verlief. In Malawi wurden Kinder mit unkomplizierter Plasmodium falciparum-Malaria entweder mit Chloroquin oder mit Sulfadoxin–Pyrimethamin behandelt. Während Sulfadoxin–Pyrimethamin nur zu 21 Prozent erfolgreich war, beseitigte Chloroquin die Malaria bis auf eines bei allen Kindern. Es dauerte nur 2,6 Tage, bis die Parasiten eliminiert waren und schon nach 10,3 Stunden waren die Kinder fieberfrei. Die Therapie war zudem frei von schweren Nebenwirkungen.
Dennoch rät White den Verantwortlichen in Malawi davon ab, Chloroquin wieder zum Mittel der ersten Wahl zu erklären. Das Land sei umgeben von Ländern, in denen die Chloroquin-Resistenz stark verbreitet ist. Ein vermehrter Einsatz von Chloroquin würde innerhalb kurzer Zeit zum Import von resistenten Erregern führen. Wenn aber die anderen afrikanischen Länder dem Beispiel Malawis folgen würden, stünde mittelfristig ein äußerst wirksames und kostengünstiges Mittel erneut zur Verfügung. © rme/aerzteblatt.de
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