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Wenn Google den Chefarzt erstaunt – Hohe diagnostische Trefferquote bei unklarem Befund

Freitag, 10. November 2006

Brisbane - Gerade bei ungewöhnlichen Befundkonstellationen kann die Suchmaschine Google oftmals bei der Diagnose behilflich sein. Eine Studie im britischen Ärzteblatt (BMJ, doi:10.1136/bmj.39003.640567.AE) ergab immerhin eine Trefferquote von 58 Prozent.

Anlass der Studie von Hangwi Tang vom Princess Alexandra Hospital, Brisbane, Australia, war eine Anekdote, die im letzten Jahr im New England Journal of Medicine (2005; 353: 2089-2090) kolportiert wurde. In einer Fallbesprechung an einer Klinik herrschte angesichts der ungewöhnlichen Symptome eines Patienten allgemeine Ratlosigkeit. Ein Säugling mit Diarrhö, einem ungewöhnlichen Hautausschlag, mehreren immunologischen Befunden, darunter eine gestörten T-Zell-Funktion, einer Eosinophilie in der Magenschleimhaut, einer peripheren Eosinophilie und einem X-chromosomalem Erbgang, stellte Chefarzt und alle anwesenden Experten vor ein Rätsel, während die behandelnde Ärztin bereits eine Vermutung hatte, die sich später als richtig erweisen sollte. Das Kind leide wohl an dem äußerst seltenen IPEX-Syndrom (immunodeficiency, polyendocrinopathy, enteropathy, X-linked), meinte die Nachwuchsmedizinerin, was ein späterer Gentest tatsächlich bestätigte. Wie sie denn darauf gekommen sei, wollte der Chefarzt wissen. Die Antwort lautete: Google. Die Kollegin hatte die Befunde in die Suchmaschine eingegeben und der erste „Hit“ führte sie zur Diagnose.

Zufall? Wohl kaum, meint Tang, der die diagnostische Sicherheit in einer „internetbasierten“ Studie überprüfte. Er und seine Kollegen lasen die ersten Seiten von 26 Fallberichten, die regelmäßig im New England Journal of Medicine erscheinen. Dort werden komplizierte und zumeist ungewöhnliche Krankengeschichten analysiert, wobei die Diagnose erst auf der letzten Seite verraten wird. Die Autoren tippten nach der Lektüre einige markante Stichwörter bei Google ein und stellten anhand der Treffer eine Diagnose. Sie lagen in 15 Fällen (58 Prozent; 95-Prozent-Konfidenzintervall 38-77 Prozent) richtig. Vermutlich funktioniere die Methode bei häufigen Erkrankungen mit unspezifischen Beschwerden, die in der medizinischen Praxis in der Mehrzahl sind, nicht so gut, meint Tang, doch ein Versuch sei es allemal wert. Immerhin könne Google auf mehr als drei Milliarden Seiten zurückgreifen, viel mehr als die Literaturdatenbank Medline.

Auch Patienten bedienen sich mittlerweile dieser Methode, wie eine weitere Anekdote zeigt, über die Tank berichtet. Nachdem er einen 16-jährigen Wasserpolospieler mit einer Vena-subclavia-Thrombose untersucht hatte, erklärte er dem Vater, dass er für die Ursache der Thrombose noch keine Erklärung habe. Dieser sagte aber, die Ursache liege doch wohl auf der Hand. Der Junge habe ein Paget-von Schrötter-Syndrom. Dies hatte der Vater über eine Google-Recherche herausgefunden und konnte den Ärzten auch gleich noch ein Mini-Tutorial zur Pathophysiologie halten und die korrekte Behandlung nennen. © rme/aerzteblatt.de

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