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Psychiater: Gefährlicher Trend zur ärztlichen Sterbehilfe

Freitag, 10. November 2006

Weinheim - Deutschlands Psychiater warnen vor einem zunehmenden Druck zur ärztlichen Beihilfe beim Sterben. Bei einer Legalisierung der Sterbe-Beihilfe würden am Ende die Ärzte, die Politik oder die Gesellschaft bestimmen, wer leben dürfe, sagte das Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde, Manfred Wolfersdorf, in einem Interview der in Weinheim erscheinenden Zeitschrift „Psychologie Heute“ von Dezember. Er befürchtet, „dass die ärztliche Sterbe-Beihilfe und die Tötung auf Verlangen auch demnächst bei uns institutionalisiert werden sollen“.

Wolfersdorf übte Kritik an der Stellungnahme „Selbstbestimmung und Fürsorge am Lebensende“ des Nationalen Ethikrats vom Sommer. Die gesellschaftliche Fürsorge und Verantwortung für andere, besonders für die Schwachen, werde vernachlässigt zu Gunsten einer falsch verstandenen Autonomie des Menschen. Das deutsche Gesundheitssystem beruhe auf der Basis von Fürsorge und nicht auf der Basis von Autonomie.

Es sei illusionär zu glauben, der Mensch könne selbstbestimmt über sein Ende entscheiden, so der Psychiatrieprofessor: „Wenn das Leben zu Ende geht, ob nun im Alter oder in jungen Jahren, stehen wir nicht mehr auf der Höhe der Entscheidungskraft.“ Eine unheilbare Erkrankung gehe mit massiven Behinderungen eigener Aktivitäten einher, die ängstigten, die depressiv machten, die die Wahrnehmung einschränkten und den Menschen psychisch verstörten. Von einem unheilbar Kranken Autonomie zu erwarten, werfe ihn in die Vereinsamung. 

Laut Wolfersdorf wären die Debatten um die Legalisierung der Sterbebeihilfe nicht notwendig, wenn die Palliativmedizin, die unerträgliches Leiden lindern könne, Standard in allen Krankenhäusern und Pflegeheimen wäre. © kna/aerzteblatt.de

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