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Großbritannien: Proteste gegen NICE-Entscheidung zu Alzheimer-Medikamenten

Freitag, 17. November 2006

London - Wenige Tage vor der angekündigten endgültigen Stellungnahme des Institute for Health and Clinical Excellence (NICE) zu den umstrittenen Alzheimer-Medikamenten Donepezil, Rivastigmin, Galantamin und Memantin mobilisiert die Alzheimer’s Society die Angehörigen. Die Hersteller erwägen laut Presseberichten sogar eine Klage.

Die Alzheimer’s Society hatte für den heutigen Freitag zu Protestmärschen aufgerufen. Mehr als 30 Demonstrationen wurden für London, Manchester, Southampton and Newcastle angekündigt. Dadurch soll gewissermaßen in letzter Minute ein Negativentscheid von NICE abgewendet werden. Die Behörde prüft für den staatlichen Gesundheitsdienst in England und Wales, ob Therapien evidenzbasiert und auch kosteneffektiv sind. Für die Alzheimer-Medikamente hatte das Institut vor wenigen Wochen ihre vorläufige Einschätzung veröffentlicht. Den Mitteln wurde eine Kosteneffizienz abgesprochen. Dies geschah mit Hinweis auf die doch sehr begrenzte Wirkung dieser Mittel im Frühstadium.

Dies stößt bei der Alzheimer Society jedoch aus Unverständnis. Sie weist auf die moderaten Behandlungskosten von 2,50 britische Pfund pro Tag für die donepezilhaltigen Medikamente hin, wobei übersehen wird, dass nicht allein die Kosten, sondern die Kombination aus geringer Wirkung und Kosten für das negative Urteil von NICE ausschlaggebend war. 

Auch die Hersteller machen Druck. Wie der Internetdienst der BBC berichtet, planen die beiden Hersteller Eisai und Pfizer sogar juristisch gegen das Gutachten von NICE vorzugehen, sollte es negativ ausfallen. Sie werfen dem Institut vor, die entscheidenden Berechnungen ihrer Kosten-Nutzen-Analyse nicht ausreichend transparent gestaltet zu haben. Bereits im Oktober hatten die Firmen ihre wissenschaftlichen Einwände geäußert. Sie scheinen aber zu befürchten, damit bei NICE nicht auf offene Ohren zu stoßen.

Möglicherweise handelt es sich aber auch nur um den Versuch, kurz vor der Entscheidung, die für den 22. November angekündigt wurde, noch einmal politischen Druck auszuüben. Ob es zu einer Klage, kommt bleibt abzuwarten. Es wäre das erste Mal, dass Entscheidungen von NICE Gegenstand juristischen Auseinandersetzungen wären. © rme/aerzteblatt.de

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