Medizin

Positive Erfahrungen mit medizinischer i.v-Drogenabgabe in Kanada

Dienstag, 21. November 2006

Vancouver - Kanadische Drogenexperten warnen vor der Schließung der „Safer injection facilities“ in Vancouver, der einzigen und weltweit einer der ersten medizinischem Abgabestellen für Heroin und Kokain an Süchtige. Im Canadian Medical Association Journal fassen sie die bisherigen Ergebnisse zusammen. Statt Heroin und Kokain konsumieren Drogenabhängige in Kanada heute vermehrt medizinische Opioide.

Als im September 2003 die erste „Safer injection facility“ in Vancouver ihre Tür öffnete, wurde es auf den Straßen der Innenstadt spürbar sauberer. Die Zahl der Süchtigen, die ihre Droge in der Öffentlichkeit injizierten, die Zahl der aufgefundenen Nadeln und der Injektions-Müll auf den Straßen halbierte sich in etwa, wie der Studie von Evan Wood von der Universität Vancouver (CMAJ 2006; 175: 1399-1404) zu entnehmen ist. Die 12 sauberen Injektionsräume übten durchaus eine Anziehungskraft auf intravenös Drogenabhängige aus, vor allem wenn diese jünger oder obdachlos waren oder täglich i.v.-Drogen nahmen.

Laut Wood haben 45 Prozent aller Abhängigen schon einmal eine der „Safer injection facility“ aufgesucht, wo sie unter der Anleitung einer Krankenschwester die Drogen injizieren. Ein erzieherischer Nebeneffekt besteht Wood zufolge darin, dass die Häufigkeit des Nadeltauschs zurückgeht. Denn wenn nicht die Helferinnen den Abhängigen die Technik der intravenösen Injektion lehren, macht es womöglich ein Freund –mit einer gebrauchten Nadel, was den Austausch von HI- und HC-Viren fördert.

Auch die Dienste des Drogenberaters, der in jeder „Safer injection facility“ zum Gespräch bereit ist, werde von den Süchtigen keineswegs ignoriert, versichert Wood. Im Gegenteil: Die Annehmlichkeit in der „Safer injection facility“ fördere die Bereitschaft der Süchtigen, sich mit dem Thema Detoxifikation auseinanderzusetzen: 40 Prozent aller Überweisungen beträfen diverse Formen der Drogenberatung. Auch die Befürchtung, dass es in der Umgebung der „Safer injection facility“ zu einem schwungvollen Drogenhandel kommt, kann Wood nicht bestätigen. Drogenmissbrauch und Kriminalität hätten in der Stadt seit September 2003 nicht zugenommen. 

Trotz dieser positiven Ergebnisse ist der Bestand des Projekts gefährdet. Die Sondergenehmigung, die die legale Abgabe von Drogen durch medizinisches Personal erlaubt, läuft Ende 2007 ab und die im Januar 2006 gewählte konservative Regierung zeigt derzeit kein Interesse an einer Fortführung, wie Mark Wainberg von der McMaster Universität im Editorial bedauert (CMAJ 2006; 175: 1395-1396). 

Aus einer anderen Studie geht hervor, dass der Heroinmissbrauch in Kanada seit 2001 um ein Viertel zurückgegangen ist. Nur noch in Montreal und Vancouver ist es die häufigste intravenöse Droge. In den anderen Städten konsumieren die Abhängigen eher die Opioide Oxycodon, Morphin oder Pethidin oder auch andere Schmerzmittel, die aus dem medizinischen Bereich „abgezweigt“ werden, wie Benedikt Fischer vom Canadian Institute of Health Research (CIHR) in Victoria/British Columbia aufgrund der Befragung von Drogenabhängigen herausgefunden hat (CMAJ 2006; 175: 1385-1387). Er macht die im Vergleich zu anderen Staaten liberalen Gesetze dafür verantwortlich. Nicht alle Teilstaaten hätten die Abgabe von Betäubungsmitteln in einer Weise reglementiert, wie dies in anderen Ländern der Fall ist. © rme/aerzteblatt.de

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