US-Studien: Intensive Beratung erleichtert Angehörigen die Pflege von Alzheimer-Patienten
Dienstag, 21. November 2006
Pittsburgh - Die Betreuung von Demenzpatienten überfordert nicht selten die Familienangehörigen, was sich wiederum negativ auf die Pflege der Patienten auswirkt. Das US-National Institute of Aging hat deshalb ein Programm entwickelt, dass die Pflegenden unterstützt. In einer randomisierten kontrollierten Studie in den Annals of Internal Medicine (2006; 145: 727-738) konnte dadurch die Qualität der häuslichen Pflege verbessert werden.
Das REACH-II Programm (Resources for Enhancing Alzheimer's Caregiver Health II) ist auf die drei Viertel aller Alzheimer-Patienten zugeschnitten, die in den USA mangels Pflegeversicherung von Familienangehörigen gepflegt werden. Diese sind in der Regel wenig vorbereitet auf die Probleme, die sich im Umgang mit Alzheimer-Patienten ergeben können, deren Demenz häufig von Verhaltensstörungen begleitet ist. Die Pflege kann dann schnell die psychischen und physischen Kräfte überfordern. REACH-II bietet den Angehörigen deshalb über einen Zeitraum von 6 Monaten 12 Einzelgespräche an, von denen neun in der Wohnung stattfinden, bei den anderen drei handelt es sich um halbstündige Telefonate. Bei den Terminen mit den ausgebildeten Betreuern geht es um die Übermittlung von Informationen und Strategien der Pflege. Es werden Problemlösungen angesprochen und Techniken zur Stressbewältigung gelehrt.
Eine randomisierte kontrollierte Studie untersuchte, ob REACH-II die Pflegenden „erreicht“ und deren Lebensqualität verbesserte. Da kulturelle Einflüsse hier einen starken Einfluss haben, wurden Amerikaner mitteleuropäischer Herkunft (Kaukasier), Amerikaner lateinamerikanischer Herkunft (Hispanics/Latinos) und Amerikaner afroamerikanischer Herkunft getrennt untersucht. Bei allen hatte die intensive Beratung der Pflegenden einen positiven Einfluss auf die eigene Lebensqualität, aber auch auf die Pflegequalität der Alzheimer-Patienten. Am besten waren die Ergebnisse bei den Kaukasiern und den Hispanics/Latinos, die Afroamerikaner zogen einen etwas geringeren Nutzen aus der Beratung.
Wie wichtig die Betreuung der Pflegenden ist, zeigt der Endpunkt Depression. In der Vergleichsgruppe, bei der es nur zwei kurze formale Anrufe gab, hatten nach sechs Monaten Alzheimer-Pflege 22,7 Prozent der Pflegenden Zeichen einer klinischen Depression. Von den Empfängern der REACH-II-Intervention waren es nur 12,6 Prozent. Auch die Rate der Hospitalisierungen der Alzheimer-Patienten konnte, wenn auch nicht signifikant, von 7,2 auf 4,3 Prozent gesenkt werden. Studienleiter Richard Schulz von der Universität Pittsburgh, aber auch das US-National Institute of Health, der Sponsor der Studie, sind mit diesen Ergebnissen hoch zufrieden. Ob REACH-II auf die Situation in Deutschland übertragbar ist, muss offen bleiben. Die Homepage des REACH-Programms enthält jedoch ausführliche Materialien zu den Interventionen, die vielleicht als Anregung dienen könnten.
In einer zweiten Studie in den Annals of Internal Medicine (2006; 145: 713-726) verbesserte ein „Case-Manager“ die Pflege-Qualität von Alzheimer-Patienten. Wie in der REACH-II-Studie erhielten die Pflegenden Unterstützung bei alltäglichen Problemen der Pflege. Wie Barbara Vickrey von der Universität von Kalifornien in Los Angeles berichtet, hielten sich die Pflegenden bei einer Nachuntersuchung nach einem Jahr deutlich besser an die geltenden Pflegeleitlinien. Insgesamt konnte die Lebensqualität der Patienten deutlich gebessert werden. © rme/aerzteblatt.de
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