Arzneimittelhersteller:„Die Lebensqualität der Deutschen ist in Gefahr“
Mittwoch, 22. November 2006
Berlin - Die Lebensqualität in Deutschland hat sich in den letzten zehn Jahren im europäischen Vergleich deutlich verschlechtert. Sowohl bei der Lebenserwartung als auch bei der Anzahl beschwerdefreier Lebensjahre bestehe ein deutlicher Abstand zu den führenden europäischen Ländern. Vor allem bei Frauen steige zwar die Lebenserwartung, die beschwerdefreien Jahre hielten damit aber nicht Schritt. Dies ergab ein Bericht des Verbandes Forschender Arzneimittelhersteller (VFA), der am 21. November in Berlin vorgestellt wurde.
Im Auftrag des VFA untersuchte das Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung (MZES) und das Mannheimer Zentrum für Umfragen, Methoden und Analysen die Entwicklung der Lebensqualität der Deutschen in den letzten zehn Jahren. Ausgewertet haben die Wissenschaftler Europäische Vergleichsdaten von OECD und Eurostat sowie repräsentative Umfragen wie Mikrozensus und Sozio-ökonomisches Panel. Im Zentrum der Untersuchung standen die vier Grundbereiche: Familie, Arbeit und Einkommen, Gesundheit, Partizipation und Integration.
"Für die Verbesserung der Lebensqualität waren die Jahre zwischen 1995 und 2005 ein verlorenes Jahrzehnt“, fasst Prof. Dr. Bernhard Ebbinghaus, Leiter des Arbeitsbereiches „Europäische Gesellschaften und ihre Integration“ des MZES, die Ergebnisse zusammen.
Der Anstieg der Lebensqualität stagniere, in einigen Bereichen seien sogar Verschlechterungen zu verzeichnen. Die kritische Arbeitsmarktsituation und das derzeitige Gesundheitssystem beeinträchtigten die Lebensqualität in Deutschland erheblich. Zunehmend werde die Lebensqualität durch Krankheit belastet.
Es seien Modernisierungsmaßnahmen im Gesundheitswesen notwendig, da sonst die soziale Ungleichheit weiter zunehme, betonte die Hauptgeschäftsführerin des VFA, Cornelia Yzer, bei der Vorstellung des Reports. Besonders die Kosten-Nutzen-Bewertung von Medikamenten sei sinnvoll. Sie solle jedoch nicht als Mittel zur Kostendämmung missbraucht, sondern zur Qualitätssteigerung im Gesundheitswesen genutzt werden, fügte Yzer hinzu.
Der Bericht zeige zudem, dass steigende Krankheitszahlen, die demographische Entwicklung sowie die Rückstände im Gesundheitswesen alle zentralen Institutionen in Deutschland forderten. So seien aufgrund der alternden Gesellschaft Veränderungen notwendig, zum Beispiel der Ausbau von häuslichen Pflegediensten.
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