Frankfurt: Hohe Dunkelziffer bei Nadelstich- und Schnittverletzungen
Donnerstag, 23. November 2006
Frankfurt - Mindestens 500.000 Nadelstich- und Schnittverletzungen (NSV) passieren jährlich in Deutschland. „Die Dunkelziffer der gemeldeten NSV beträgt allerdings circa 80 bis 90 Prozent. Wir gehen deshalb von einerwesentlich höheren Zahl aus“, erklärte Dr. Sabine Wicker, Leiterin des Betriebsärztlichen Dienstes des Frankfurter Universitätsklinikums, Mitte November in Frankfurt.
Grund für die ungenauen Zahlen ist nach Meinung von Prof. Dr. Holger Rabenau vom Institut für Medizinische Virologie am Klinikum der Universität Frankfurt das Meldeverhalten der Beschäftigten. In einer Studie haben sie ermittelt, welche NSV mit Hilfe von sicheren Produkten hätten vermieden werden können. Für die Erhebung befragten die Autoren zwischen April und Juni 2006 720 Beschäftigte, davon 231 Ärzte, 405 Krankenschwestern, 39 Reinigungskräfte und 12 Laborangestellte sowie 33 Mitarbeiter anderer Berufsgruppen.
Aus der Studie geht hervor, dass die meisten Verletzungen bei der Entsorgung (circa 37 Prozent) passieren, gefolgt vom Nähen (23 Prozent). Das höchste Risiko einer Nadelstichverletzung weisen Ärzte auf. 55,1 Prozent der befragten Ärzte aller Fachrichtungen gaben mindestens eine NSV in den letzten zwölf Monaten an. Durchschnittlich 36,4 Prozent der Verletzungen hätten durch sichere Produkte vermieden werden können. Sichere Instrumente reduzieren das Infektionsrisiko für Beschäftigte im Arbeits- und Gesundheitsdienst und verbessern den Schutz der Patienten, so das Fazit der Frankfurter Nadelstichstudie.
„Wegen der geschätzten Mehrkosten verzichten manche Häuser leider auf den Einsatz von sicheren Instrumenten, die den neueren Standards entsprechen. Nadelstichverletzungen verursachen jedoch hohe Kosten, die den Mehrkosten der Instrumente gegenübergestellt werden müssen“, sagt die Leiterin des Betriebsärztlichen Dienstes Wicker. © hil/aerzteblatt.de
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