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Studie: Weltweit jährlich 68.000 Todesfälle durch illegale Abtreibungen

Freitag, 24. November 2006

New York - Hämorrhagien, Infektionen, Verletzungen, aber auch Vergiftungen sind eine häufige Folge von unsicheren Abtreibungen, die in vielen Ländern verbreitet sind, in denen Schwangerschaftsabbrüche gesetzlich verboten sind. Experten schätzten im Lancet die Zahl der Todfälle auf 68.000 und sprechen von einer „stillen Pandemie“.

Zwischen 20 und 50 Prozent aller unsicheren Abtreibungen sollen zur Hospitalisierung der Frau führen. Diese Zahl überrascht nicht, wenn man die Liste der Methoden betrachtet, die David Grimes von der Universität von North Carolina in Chapel Hill in seiner Publikation (Lancet 2006; 368: 1887-1892) auflistet. Die erste literarische Beschreibung findet sich bereits im „Shen nung pen Ts´ao king“, dem ältesten bekannten Buch über Heilpflanzen. Es wurde vermutlich 2.800 v. Chr. verfasst und wird dem ersten chinesischen Kaiser Shennong zugeschrieben. Dieser empfahl Quecksilber. Später wurden mindestens hundert weitere Methoden erfunden, die mehr oder minder wirksam, aber fast alle riskant waren.

Das Spektrum reicht von der oralen, intravaginalen oder auch intramuskulären Applikation der unterschiedlichsten Chemikalien, Teezubereitungen und Medikamente über eine Reihe von mechanischen Methoden, mit denen transzervikal auf den Feten eingestochen wird oder in welchen der Uterus einem Unterdruck ausgesetzt wird, bis hin zu dem Versuch, den Körper mittels körperlicher Überanstrengung oder selbst zugefügter Torturen und Traumata zu einem spontane Abort zu veranlassen.

Die Primitivität der Methoden ist nach Ansicht von Susheela Singh vom Guttmacher Institute in New York, einem nichtstaatlichen Forschungsinstitut, nur Ausdruck der Verzweiflung der Frauen. Dass sie nach dem Auftreten von Hämorrhagien, Infektionen, groben Verletzungen und Vergiftungserscheinungen nicht gleich einen Arzt aufsuchen, zeigt in welcher Atmosphäre der Angst sich viele der betroffenen Frauen befinden.

Singh hat die Daten aus 13 Ländern aus Asien, Afrika und Südamerika analysiert (Lancet 2006; 368: 1887-1892). Danach werden pro Jahr von 1.000 Frauen im gebärfähigen Alter zwischen 2,8 (Bangladesh) und 16,4 (Uganda) wegen der Folgen einer unsicheren Abtreibung hospitalisiert. 

Das weitgehende Verbot des legalen Schwangerschaftsabbruchs in 72 Ländern der Erde mit einem Anteil von 25 Prozent der Bevölkerung ist für Singh der wichtigste Grund für Verletzungen durch illegale Abtreibungen. Die Hospitalisierungsrate beträgt in diesen Ländern bis zu 23/1.000 Frauen, während sie in den Ländern mit einer Fristenregelung bei 2/1000 Frauen liegt, berichtet Grimes.

Die meisten Verletzungen und Todesfälle seien vermeidbar, wenn die Frauen legalen und einen finanzierbaren Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen haben, ist auch Marge Berer, die Chefredakteurin von Reproductive Health Matters überzeugt. Zum Beleg nennt sie Editorial (Lancet 2006; 368: 1846-1848) das Beispiel Südafrika. Dort komme es seit der Legalisierung des Schwangerschaftsabbruchs im Jahr 1997 zu einem allmählichen Rückgang der illegalen Abtreibungen und der dadurch verursachten Verletzungen. Eine ganz andere Position vertritt Paul Tully von der britischen Society for the Protection of Unborn Children, einer Organisation von Abtreibungsgegnern. In Polen habe das Verbot der Abtreibung Mitte der 90er-Jahre zu einer deutlichen Verbesserung der Gesundheit bei Müttern und Kindern geführt, schreibt Tully, ohne allerdings Belege anzuführen. © rme/aerzteblatt.de

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