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Methämoglobinämie durch Anästhesie-Spray

Montag, 27. November 2006

Ottawa - Die kanadische Aufsichtsbehörde Health Canada nimmt gemeldete Zwischenfälle zum Anlass, um vor der möglichen Methämoglobinämie nach dem Einsatz von topischen Lokalanästhetika mit dem Wirkstoff Benzocain zu warnen.

Eine Methämoglobinämie führt zur Zyanose mit zunehmender körperlicher Schwäche und schließlich zum Koma. Die Induktion durch Benzocain ist sicherlich eine seltene, aber potenziell lebensgefährliche Nebenwirkung des Lokalanästhetikums. Vor zwei Jahren hatten US-Mediziner bereits in den Archives of Internal Medicine (Moore et al. 2004; 164: 1192-1196) über 132 Fälle berichtet, die der FDA zwischen 1997 und 2002 spontan gemeldet worden waren. Sie nahmen meistens einen schweren Verlauf und 2 endeten sogar tödlich. Diese Gefahr besteht, weil Methämoglobin den Sauerstofftransport im Blut behindert, wodurch das arterielle Blut eine schokoladenbraune Färbung annimmt, wie bei zwei Patienten, über die, ebenfalls schon vor zwei Jahren, Endoskopiker aus Kanada berichteten (Armstrong C et al. Can J Gastroenterol 2004; 18: 625-629).

Hier war es nach Anwendung eines hochdosierten (20prozentigen) Benzocain-Sprays, wie es gerne zur Anästhesierung des Rachens vor Einführung eines Endoskops benutzt wird, zu einer Methämoglobinkonzentration von 18 und 48 Prozent gekommen. Durch die rasche Gabe von Methylenblau normalisierte sich die Sauerstoffsättigung innerhalb von 10 bis 30 Minuten. Für die kanadischen Autoren war der Schreck jedoch Anlass, den Einsatz von hochkonzentrierten Benzocain-Sprays in Frage zu stellen.

Zu einem Verbot oder eine Anwendungseinschränkung ist es in Kanada aber nicht gekommen, wohl aber zu einer Warnung, die durch neun weitere Zwischenfälle veranlasst wird. Fast alle waren durch hochkonzentrierte Benzocain-Sprays (14- oder 20-prozentig) induziert worden, das auf die Schleimhäute appliziert wurde.

Health Canada fordert die Ärzte auf, die Patienten vor der Applikation auf mögliche Risikofaktoren hin zu untersuchen. Als solche gelten, Beschädigungen oder Entzündungen der Schleimhaut, der Einsatz bei Säuglingen, der gleichzeitige Einsatz mit oxidierenden Agenzien, Herzerkrankungen, Ernährungsstörungen und ein Mangel an Glucose-6-Phosphat-Dehydrogenase oder Hämoglobinreduktase. Bei Patienten mit diesen Risikofaktoren sollten die Ärzte, so Health Canada, als Alternative den Einsatz von topischen Lidocain-Präparaten erwägen.

Die Zahl der Spray-Applikationen sollte beachtet und notiert werden, um die Dosierung möglichst gering zu halten. Bei den Patienten sollen die Ärzte auf Zeichen und Symptome der Methämoglobinämie achten wie Blässe, Zyanose, Nausea, Muskelschwäche, Benommenheit, Verwirrung, Agitation, Dyspnoe und Tachykardie. Bei Verdacht sollte sofort eine arterielle Blutgasanalyse durchgeführt werden. Auf eine Pulsoxymetrie könne man sich nicht verlassen, da diese bei Methämoglobinämie nicht immer zuverlässig sei.

Neben den Sprays wird Benzocain auch als  Gels, Cremes (in der Dermatologie) und Flüssigkeiten angeboten. Die überwiegende Zahl der Zwischenfälle wurde aber mit den Sprays beobachtet. © rme/aerzteblatt.de

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