Medizin

Studie: Wenig rauchen reduziert Erkrankungsrisiko langfristig nicht

Dienstag, 28. November 2006

London - Auch wer seinen Zigarettenkonsum senkt, verringert damit das Risiko schwerer Erkrankungen oder eines frühzeitigen Todes langfristig nicht. Dies ist das Ergebnis einer Langzeitstudie aus Norwegen, die am Dienstag im Fachblatt Tobacco Control  (2006; 15: 472-480) der British Medical Association (BMA) veröffentlicht wurde. In der zwei Jahrzehnte laufenden Untersuchung mit rund 50.000 Teilnehmern waren Männer, die ihren Tabakkonsum mehr als halbierten, genauso anfällig für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Durchblutungsstörungen und Krebs wie Raucher, die weiter ihr bisheriges Pensum rauchten. Ein überraschendes Ergebnis lieferte die Studie bei Frauen: Frauen, die die Zahl der täglich gerauchten Zigaretten verringerten, waren sogar in höherer Gefahr, vorzeitig zu sterben.

„Es gibt keine Belege dafür, dass starke Raucher, die ihren täglichen Zigarettenkonsum um mehr als 50 Prozent reduzieren, das Risiko eines vorzeitigen Todes deutlich senken“, heißt es in dem Papier, das unter Aufsicht von Kjell Bjartveit des nationalen norwegischen Gesundheitsdienstes entstand. Ärzte sollten deshalb Raucher nicht zu einer Reduzierung raten, sondern zum sofortigen und radikalen Aufhören. „Es könnte bei den Menschen falsche Erwartungen wecken, wenn empfohlen wird, dass eine Verringerung des Konsums mit einer Schadensreduzierung einhergeht.“

An der Studie nahmen 24.959 Männer und 26.251 Frauen teil, die zum Start der Untersuchung zwischen 20 und 49 Jahren alt waren. Am Anfang stand eine Befragung zu ihren Rauchgewohnheiten. Sie wurden dann in Intervallen zwischen drei und zehn Jahren erneut befragt. Die Teilnehmer wurden schließlich in fünf Gruppen eingeteilt: Nichtraucher, Ex-Raucher (die während der Studie aufgehört hatten), moderate Raucher (eine bis 14 Zigaretten), Reduzierer (Konsum im Beobachtungszeitraum um mindestens die Hälfte reduziert) und starke Raucher (15 Zigaretten und mehr).

Bei den Männern lag die Todesrate insgesamt in den ersten 15 Jahren bei den Reduzierern geringfügig unter der bei den starken Rauchern. Danach starben in beiden Gruppen aber praktisch gleich viele Menschen. Bei Frauen, die das Rauchen eingeschränkt hatten, war das Risiko, an Lungenkrebs zu sterben, zwar nur halb so groß wie bei starken Raucherinnen. Wurden aber alle Todesursachen einbezogen, lag ihr Sterberisiko um elf Prozent höher. „Wir haben keine Erklärung für dieses Phänomen“, erklärte Bjartveit, „außer dass es etwas mit Zufall zu tun hat“. © afp/aerzteblatt.de

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