CT erklärt Todesursache von Tutanchamun
Dienstag, 28. November 2006
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| dpa |
Chicago - Tutanchamun, der sicher bekannteste, wenn auch historisch eher unbedeutendere Pharao aus dem Alten Ägypten, ist vermutlich an den Folgen einer offenen Femurfraktur gestorben. Dies behaupten ägyptische Mediziner, die auf der Jahrestagung der Radiological Society of North America in Chicago einen Bericht über ihre Anfang Januar letzten Jahres durchgeführten computertomograhischen Untersuchungen der Mumie vorlegten.
In einem auf 5 Jahre angelegten Egyptian Mummy Project werden zurzeit die wichtigsten noch erhaltenen Mumien aus der dem Alten Ägypten mit einem mobilen CT-Gerät untersucht. Der prominenteste „Patient“ war am 6. Januar 2005 Tutanchamun, der von 1333 bis 1323 v. Chr. regierte. Die kurze Regentschaft erklärt sich durch den frühen Tod des jungen Pharaos. Der Radiologe Ashraf Selim vom Kasr Eleini Krankenhaus in Kairo, der die Untersuchungen leitete, schätzt das Alter zum Todeszeitpunkt auf 18 bis 20 Jahre.
Der ungewöhnlich frühe Tod hat in der Vergangenheit zu Spekulationen geführt, die 1968 sogar in einer Mordhypothese gipfelten. Damals war erstmals eine Röntgenaufnahme des Pharaos angefertigt worden, bei der im Schädel zwei Knochenfragmente gefunden wurden, die dort nicht hingehörten. Die Folge eines heftigen Schlags auf den Kopf? Nein, sagen Selim und Mitarbeiter, denn dann müssten die Fragmente von der Balsamierungsflüssigkeit umgeben gewesen sein, was sie nicht waren. Neuere Untersuchungen zeigen zudem, dass die Fragmente gar nicht von der Schädelkalotte abgesprungen sind, also nicht von einem Schlag auf den Kopf herrühren. Sie passen laut Selim exakt in einen Defekt am ersten Halswirbel. Er wurde entweder bei der Einbalsamierung oder während der Entfernung der goldenen Totenmaske durch die Entdecker um Howard Carter im Jahr 1922 verursacht.
Die Todesursache vermutet Selim eher in einem Oberschenkelbruch. Auf dem CT ist eine Fraktur im Bereich der Epiphysenfuge oberhalb des Knies zu erkennen. Anders als die anderen der Mumie durch den offenbar nicht zimperlichen Carter zugefügten Frakturen ist die Frakturlinie gezackt und ohne scharfe Kanten und zudem mit zwei Lagen der Balsambinden gefüllt. Diese könnten unmöglich bei der Bergung der Mumie dorthin gelangt sein.
Da Zeichen einer Knochenheilung fehlen, muss es sich um eine frische Fraktur gehandelt haben (oder doch um ein späteres Artefakt?). Selim vermutet eine offene Fraktur, die sich infiziert haben könnte und dadurch den Tod des jungen Pharaos verursacht haben könnte. Gegen diese These spricht, dass auf dem CT keine Hinweise auf ein Hämatom oder eine Hämorrhagie zu sehen waren, für andere Forscher eher ein Hinweis darauf, dass die Verletzungen doch erst rund 3.255 Jahre später entstanden sind, als Carters Team die Mumie aus dem Sarkophag entfernt hat.
Das Rätsel des Tods von Tutanchamuns bleibt deshalb ungelöst. Übrigens will Selim auch vom „Fluch der Pharaonen“ ein leichtes Echo vernommen haben. Nach der Entdeckung des Grabes waren mehrere Mitarbeiter des Expeditionsteams eines unnatürlichen Todes gestorben, was damals die Medien damals zu den wildesten Spekulationen veranlasste, von denen sich keine als stichhaltig erwies. Ein Hinweis auf den „Fluch der Pharaonen“ sichert aber noch heute die Aufmerksamkeit der Medien. Dies mag erklären, warum Selim den (in Ägypten sicher nicht ganz ungewöhnlichen) Stromausfall während der CT-Aufnahmen, technische Schwierigkeiten sowie die Unpässlichkeit eines Mitarbeiters überhaupt erwähnte. © rme/aerzteblatt.de
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