Können Schmerzmittel die Schutzwirkungen von Impfungen gefährden?
Mittwoch, 29. November 2006
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| dpa |
Rochester - Versagt die Grippeimpfung gelegentlich deshalb, weil die Patienten, oft ältere Menschen mit entzündlichen Gelenkerkrankungen, gleichzeitig Schmerzmittel aus der Gruppe der nichtsteroidalen Antiphlogistika (NSAID) einnehmen? Diese Frage stellt sich, weil Immunologen im Journal of Immunology (2006, 177: 7811-7819) herausgefunden haben, dass NSAID die Antikörper-Antwort von B-Zellen beeinträchtigen.
Die Wirkung von Impfstoffen setzt auf die Generierung von Memory-Zellen, die sich im Fall einer Infektion in B-Zellen verwandeln. Sie setzen Antikörper frei, welche die Krankheitserreger neutralisieren, bevor die Krankheit ausbricht. Richard Phipps und Mitarbeiter der Universität Rochester im US-Staat New York haben nun entdeckt, dass diese B-Zellen, die wesentlichen Träger der humoralen Immunabwehr, große Mengen Zyclooxygenase-2 exprimieren. Dieses Enzym, besser bekannt unter der Bezeichnung COX-2, wird aber von den NSAID und hier insbesondere von den COX-2-Inhibitoren gehemmt, die nicht nur in den USA Bestandteil jeder Hausapotheke sind. Besonders häufig werden sie von älteren Menschen eingenommen, die unter Arthrose oder sonstigen entzündlichen Beschwerden leiden.
Gerade diese älteren Menschen sind jedoch auch die Zielgruppe für eine Reihe von Impfungen, deren Ziel die Generierung von Plasmazellen ist, also jenen B-Zellen, die auf die Bildung von Antikörpern spezialisiert sind.
In ihren Experimenten können die Immunologen zeigen, dass genetisch modifizierte Mäuse, die keine COX-2-Enzyme haben, nach einer Exposition mit humanen Papillomavirus Type 16 Virus-ähnlichen Partikeln (im Experiment ein Modell für einen Impfstoff) zu 70 Prozent weniger IgG-Immunglobuline, zu 50 Prozent weniger Antikörper-sezernierenden Zellen und 10fach weniger neutralisierende Antikörper produzieren als der natürliche „Wild“-Typ dieser Mäuse.
Und die Behandlung mit „SC-58125“, einem strukturellen Analogon zum COX-2-Hemmer Celecoxib, reduzierte sogar um 70 Prozent die Differenzierung von humanen Gedächtniszellen in antikörperbildende Zellen. Diese Studien waren an Teilnehmern von Studien zu den neuen Impfstoffen gegen humane Papillomaviren (HPV) durchgeführt worden. Diese Studien hatten eine nahezu hundertprozentige Wirkung dieser Impfstoffe ergeben, obwohl sicherlich einige Probanden NSAID eingenommen hatten. Deshalb fällt es schwer, aus den Befunden irgendwelche klinischen Ratschläge abzuleiten. Sollte jedoch die Hautstelle nach einer Impfung schmerzen, dann wäre der Griff zu einem NSAID möglicherweise ein Fehler, schreiben die Autoren. Sie wollen jetzt der Frage nachgehen, ob Patienten vor oder nach Impfungen generell eine Einnahmepause von NSAID einlegen sollten. © rme/aerzteblatt.de
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