7.834 News Medizin

Medizin

Chronische Lumbalgie hinterlässt Spuren im Gehirn

Mittwoch, 29. November 2006

München - Chronische Rückenschmerzen gehen mit mikrostrukturellen Hirnveränderungen einher, die mit der Diffusions-Tensor-Bildgebung, einem neuen radiologischen Verfahren, sichtbar gemacht werden können. Wissenschaftler der Ludwig-Maximilians-Universität München stellten auf der Jahrestagung der Radiological Society of North America in Chicago erste Ergebnisse mit der Methode vor, die in Zukunft einmal klären könnte, ob Patienten, bei denen alle andere Befunde negativ waren, wegen eines Rentenbegehrens die Schmerzen vortäuschen oder tatsächlich unter einer Lumbalgie leiden.

Es ist bei der Lumbalgie gar nicht selten, dass der radiologische Befund nicht zum Beschwerdebild passen will. Es gibt Patienten mit einem ausgedehnten Bandscheibenprolaps, die keinerlei Schmerzen haben, während bei anderen Patienten trotz heftiger Schmerzen kein Befund zu erheben ist. Diese Patienten haben nicht selten gutachterliche Probleme. Die Diffusions-Tensor-Bildgebung könnte hier in Zukunft in vielen Fällen den Streit schlichten, glauben der Radiologe Jürgen Lutz und der Schmerzspezialist Gustav Schelling, die 20 Patienten untersuchten, die ohne erkennbare Ursache seit mehr als 6 Monaten unter heftigster Lumbalgie litten.

One set of images acquired using diffusion tensor imaging (DTI). T2 weighted images (b=0), FA and RA (Fractional and Rational Anisotropy) and color-coded orientation maps.

Anzeige

Sie bedienten sich dabei der Diffusions-Tensor-Bildgebung. Dies ist eine besondere Variante der Magnetresonanztomographie (MRT), bei der die Diffusionsbewegung von Wassermolekülen gemessen und räumlich aufgelöst dargestellt werden. Die Diffusion, letztlich eine Folge der Brownschen Molekularbewegung, ist im Gehirn nicht überall gleich stark, da Membranen und andere Barrieren die freie Beweglichkeit einschränken. Deshalb liefert das Verfahren mit hochauflösenden Kernspintomographen Hinweise über den Verlauf von Nervenfasern. Die Plastizität des Gehirns führt dazu, dass sich die Verknüpfungen von Hirnzellen verändern, wenn sie sehr stark in Anspruch genommen werden, wie dies etwa bei chronischen Schmerzen der Fall ist.

Zu den schmerzverarbeitenden Zentren im Gehirn gehören der Gyrus cinguli, der Gyrus postcentralis und der Gyrus frontalis superior. In diesen drei Strukturen des Großhirns haben Lutz und Schelling Veränderungen bei den Schmerzpatienten gefunden. In der Terminologie der Diffusions-Tensor-Bildgebung unterschied sich die fraktionale und die relative Anisotropie von einer gleich großen Gruppe von altersgleichen gesunden Erwachsenen.

Zunächst belegen die Ergebnisse, das chronifizierte Lumbalgien mit mikrostrukturellen Veränderungen im Cortex assoziiert sind. Ob sie aber einmal dazu verwendet werden können, um das Glaubwürdigkeitsproblem von Lumbalgie-Patienten zu lösen, bleibt abzuwarten. © rme/aerzteblatt.de

Drucken Versenden Teilen
7.834 News Medizin

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Themen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Z
Suchen

Login

E-Mail

Passwort


Passwort vergessen?

Registrieren

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Merkliste

Anzeige
Eingeloggt als

Suchen in