Politik

Studie: Einfluss der Pharmaindustrie auf die Selbsthilfe groß

Donnerstag, 30. November 2006

ddp

Hannover - Viele Selbsthilfegruppen nutzen neben der Förderung durch die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) und die öffentliche Hand Sponsoring-Gelder aus der Pharmaindustrie. Das berichteten Prof. Dr. Gerd Glaeske und Dr. Kirsten Schubert vom Zentrum für Sozialpolitik der Universität Bremen am Donnerstag. In der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH) in Hannover stellten sie einen Bericht zum Einfluss der Pharmaindustrie auf die Selbsthilfe vor. Die Studie haben sie im Auftrag der SelbsthilfeFördergemeinschaft der Ersatzkassen erstellt.

Bei einem Viertel der Selbsthilfegruppen liegt die Finanzierung über Sponsoring laut Glaeske und Schubert bei knapp 20 Prozent. Fünf Prozent der Gruppen und Organisationen erhalten die Hälfte ihres Budgets aus Sponsoringmitteln. „Rund 30 Prozent des Umsatzes eines Medikamentes werden von den Pharmafirmen in das Marketing gesteckt. Das ist etwa doppelt so viel, wie in die Forschung fließt“, erklärte der Vorstandsvorsitzender der KKH, Ingo Kailuweit.

„Die Arzneimittelkonzerne haben erkannt, dass die Selbsthilfegruppen über einen großen Einfluss verfügen. Dort empfohlene Medikamente werden auch verordnet und gekauft“, sagte Schubert. Die Informationen, welche die Patienten über Selbsthilfegruppen bekämen, seien „längst nicht mehr frei von Wirtschaftsinteressen“, so die Wissenschaftlerin. Wichtig sei, dass sich viele Selbsthilfegruppen dieser Einflussnahme nicht bewusst seien. 

Ihr Bericht belege, dass es innerhalb der Selbsthilfegruppen ein Hierarchiegefälle im Hinblick auf das Wissen um die Einflussnahme gebe. „Je höher die Funktion innerhalb der Selbsthilfe, desto eher ist die Tatsache bekannt, dass die Industrie über die Patienten direkt Einfluss auf die Verordnungen nimmt“, stellte Schubert fest. Viele Mitglieder von Selbsthilfegruppen seien sich dem Einfluss der Pharmaindustrie zu wenig bewusst. © hil/aerzteblatt.de  

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