Medizin

Pflegeheime: Grippeimpfung des Personals senkt Sterblichkeit der Bewohner

Freitag, 1. Dezember 2006

London - Die routinemäßige Impfung des Personals kann in Jahren mit einer starken Grippewelle die Sterblichkeit von Pflegeheimbewohnern deutlich senken. Dies geht aus einer randomisierten kontrollierten Studie hervor, die im britischen Ärzteblatt (BMJ 2006, doi:10.1136/bmj.39010.581354.55) publiziert wurde.

Verantwortungsbewusste Pflegeheime raten ihren Bewohner jedes Jahr zur Grippeimpfung. Studien zeigen jedoch, dass die Schutzwirkung bei Senioren nur zwischen 50 bis 70 Prozent liegt. Bei den anderen ist das Immunsystem aufgrund des hohen Alters nicht mehr in der Lage, den notwendigen Immunschutz aufzubauen. Beim zumeist deutlich jüngeren Personal werden hingegen bei bis zu 90 Prozent ausreichende Antikörpertiter gegen die Grippeviren erreicht. Jüngere Menschen profitieren jedoch nicht von der Impfung, weil die Grippe bei ihnen meistens mild verläuft. Dennoch können sie mit ihrer Grippe die Bewohner anstecken. Dies ist bekannt, weshalb allen Beschäftigten im Gesundheitswesen zur Impfung geraten wird.

Wie sehr die Pflegeheimbewohner diesen Schutz benötigen, zeigt jetzt erstmals die Studie, die Andrew Hayward vom University College London und Mitarbeiter an 44 Pflegeheimen durchgeführt haben. In der Hälfte der Heime wurde dem Personal zu einer Impfung geraten, die auch angenommen wurde. Etwa die Hälfte der Vollzeitkräfte ließ sich in der Saison 2003/4 impfen. In der Kontrollgruppe lag die Impfrate unter den Vollzeitkräften nur bei 5,9 Prozent.

Die Grippewelle fiel in jenem Jahr besonders heftig aus, was sich auch in den Pflegeheimen bemerkbar machte. In der Kontrollgruppe wurde in 247 Fällen ein Arzt zur Behandlung von Grippeerkrankungen gerufen. In den Heimen mit dem (zur Hälfte) geimpften Personal waren es nur 125 Konsultationen. Auch die Zahl der Krankenhauseinweisungen wegen Grippe war mit 23 gegenüber 4 Fällen in der Kontrollgruppe deutlich erhöht. Die Zahl der Grippetodesfälle stieg von 13 auf 19 an. Das was kein signifikanter Anstieg.

Doch in der Gesamtzahl der Todesfälle, die wegen der notorisch ungenauen Angaben auf den Todesbescheinigungen der „härtere“ Endpunkt ist, kam es zu einer deutlichen Reduktion: In den Heimen mit dem (zur Hälfte) geimpften Personal gab es 140 Todesfälle, in der Kontrollgruppe waren es dagegen 203 Todesfälle. Nach den Berechnungen Haywards verhinderte die Impfung des Personals auf 100 Bewohner fünf Todesfälle, zwei Hospitalisierungen, sieben Arztkonsultationen und neun influenzaähnliche Erkrankungen. Sicherlich ein gutes Argument für die routinemäßige Impfung des Personals – deren Auswirkungen im folgenden Jahr jedoch nicht nachweisbar waren.
Während der Saison 2004/5 ließ sich in den ausgewählten Heimen ebenfalls (fast) die Hälfte des Personals impfen. Da die Grippewelle im Land jedoch sehr schwach ausfiel, hatte dies keinen Einfluss auf Morbidität oder Mortalität der Bewohner. © rme/aerzteblatt.de

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