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Erhöhte Sterblichkeit durch das Lipidmittel Torcetrapib – Studienabbruch durch den Hersteller

Montag, 4. Dezember 2006

Schwere Schlappe für Pfizer /dpa

New York - Die US-Firma Pfizer hat am Samstag den Abbruch aller Studien zu dem Lipidsenker Torcetrapib bekannt gegeben. Anlass ist eine Zwischenauswertung der sogenannten ILLUMINATE-Studie, bei der es unter der Kombination von Torcetrapib/Atorvastatin zu einem Anstieg der Sterbefälle gegenüber der Monotherapie mit Atorvastatin gekommen ist.

Torcetrapib, eine 1992 in den Laboratorien von Pfizer entwickelte Substanz, sollte der erste Vertreter der Cholesteryl-Ester-Transfer-Protein oder CETP-Inhibitoren werden. Diese Wirkstoffe beeinflussen den Austausch von Cholesterin unter den Lipoproteinen, mit denen das fettlösliche Cholesterin im Blut transportiert wird. Konkret reguliert CETP die Weitergabe von Cholesterin von den High-Densitiy-Lipoproteinen (HDL) an die Low- oder Very-Low-Density Lipoproteine (VLDL und LDL). Da LDL das „böse“ und HDL das „gute“ Cholesterin transportiert, wäre eine Sequestrierung des Cholesterins in den HDL ein positiver Effekt, zumal viele Studien zeigen, dass ein hohes HDL-Cholesterin protektive Wirkungen auf die Gefäße hat und das Fortschreiten der Atherosklerose vermutlich bremst. 

Tatsächlich zeigten die ersten klinischen Versuche, dass Torcetrapib das HDL-Cholesterin deutlich steigert. In einer Pilotstudie, die 2004 im New England Journal of Medicine (2004; 350: 1505-15) publiziert wurde, stieg der HDL-Wert unter einer Monotherapie um 46 Prozent. Wurde Torcetrapib mit Atorvastatin kombiniert, stieg der HDL-Wert sogar um 61 Prozent. 

Dies veranlasste Pfizer im gleichen Jahr zum Beginn einer großen Phase-III-Studie, an der an 250 Zentren in Australien, Europa und Nordamerika 15.000 Patienten teilnahmen. Die Investigation of Lipid Level management to Understand its iMpact IN ATherosclerotic Events oder ILLUMINATE-Studie randomisierte Probanden mit Diabetes oder einem aus anderen Gründen erhöhten kardiovaskulären Risiko auf eine Therapie mit Torcetrapib oder einer Kombination aus Torcetrapib/Atorvastatin. Die Studie sollte noch bis 2009 laufen, doch bereits im nächsten Jahr rechnete Pfizer dem Vernehmen nach mit einer Zulassung durch die US-amerikanische Zulassungsbehörde FDA. 

Die entsprechenden Argumente sollten wohl die regelmäßigen Zwischenauswertungen der ILLUMINATE-Studie liefern, deren Ergebnisse jetzt jedoch in eine ganz andere Richtung wiesen. Statt zu weniger kam es zu mehr kardiovaskulären Ereignissen, nach Presseberichten 31 zusätzlichen Todesfällen (82 gegenüber 51 Patienten) im Kombinationsarm der Studie. Dies veranlasste die Firma zu einem sofortigen Abbruch der ILLUMINATE-Studie und aller weiteren Studien. Die Entscheidung fiel, wohl auch im Hinblick auf mögliche Schadenersatzforderungen innerhalb weniger Stunden. Klagen sind jetzt nicht zu erwarten, zumal alle Teilnehmer zu Beginn der Studie eine Einwilligung unterschreiben mussten.

Der Abbruch bedeutet für den Hersteller einen erheblichen finanziellen Verlust, da Torcetrapib zum Nachfolgepräparat von Atorvastatin aufgebaut werden sollte, dessen Patentschutz im Jahr 2010 ausläuft. Im März 2005 hatte eine Marketing-Strategie des Herstellers für Empörung gesorgt. Pfizer wollte das neue Medikament nämlich nur in Kombination mit dem Statin Atorvastatin anbieten, was (vermutlich preisgünstigere) Kombinationen mit anderen Präparaten ausgeschlossen hätte. Diese Strategie hatte die Firma jedoch im Juli 2006 zurückgezogen. Das Medikament sollte jetzt als Monopräparat auf den Markt kommen. 

In den nächsten Wochen dürfte viel über die Ursachen für die erhöhte Sterblichkeit im Kombinationsarm der Studie zum Thema diskutiert werden. Eine Erklärung könnte die blutdrucksteigernde Wirkung von Torcetrapib sein. Ende Oktober 2006 hatte die Firma bekannt gegeben, dass Torcetrapib den systolischen Blutdruck um 3 bis 4 mm Hg steigert. Sollte dies der Grund sein, dann könnte der Abbruch der Studie nicht das Ende der CEPT-Inhibitoren sein, von denen sich mehrere in der Forschung befinden, darunter einer von Pfizer, ein anderer vom Konkurrenten Roche. © rme/aerzteblatt.de

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