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Pestizide: Entwicklungs­störungen von Kleinkindern nach pränataler Exposition mit Chlorpyrifos

Dienstag, 5. Dezember 2006

Atlanta - Kinder, bei denen nach der Geburt erhöhte Konzentrationen des Pestizids Chlorpyrifos im Nabelschnurblut festgestellt wurden, waren einer Studie in Pediatrics (2006; 118: e1845-e1859 (doi:10.1542/peds.2006-0338) zufolge oftmals im Alter von 3 Jahren in der neuropsychologischen Entwicklung gestört. Die Ergebnisse unterstreichen nach Ansicht der Autoren die Notwendigkeit, Schwangere vor dieser Substanz zu schützen. In den USA ist die Anwendung anders als in Deutschland im Privatbereich seit Dezember 2001 verboten.

Chlorpyrifos war in den USA ein sehr beliebtes Insektenvernichtungsmittel, das vor allem in den Innenbereichen der Großstädte reichlich Absatz fand. Dort sind Küchenschaben und anderes Ungeziefer weit verbreitet und viele Bewohner versuchten, sie mit Chlorpyrifos zu bekämpfen. Nach einer Untersuchung der New Yorker Staatsanwaltschaft benutzten 93 Prozent der Bewohner der Metropole dieses Mittel. Es war in stichprobenartigen Untersuchungen praktisch in allen Wohnungen in der Luft nachweisbar. In 64 bis 70 Prozent der Nabelschnurproben wurden Spuren davon gemessen. Im Körper hemmt Chlorpyrifos die Acetylcholinesterase, die während der Fetalzeit als neurotropher Faktor die Hirnentwicklung beeinflusst. Es gab deshalb gute Gründe, die Folgen in einer prospektiven Kohortenstudie zu untersuchen. 

Im Rahmen der Studie werden 250 Kinder, die zwischen 1998 und 2000 geboren wurden, und bei denen bei der Geburt die Chlorpyrifos-Konzentrationen im Nabelschnurblut gemessen wurde, regelmäßig nachbeobachtet. In der aktuellen Publikation stellt Virginia Rauh von der Columbia Universität in New York die Ergebnisse der Untersuchungen vor, die im Alter von 12, 24 und 36 Monaten mit der Bayley Scales of Infant Development II (kognitive und motorische Entwicklung) und im Alter von 36 Monaten (mentale Entwicklung) mit der Child Behavior Checklist durchgeführt wurden.

Kinder mit einer hohen Exposition schnitten in beiden Tests schlechter ab. Die Unterschiede in der psychomotorischen Entwicklung und in der mentalen Entwicklung waren mit 7,1 bzw. 3,0 Punkten nach Angaben der Autoren zwar absolut gesehen nicht sehr hoch. Doch der Anteil der Kinder mit psychomotorischen Störungen war nach starker Exposition fünffach erhöht. Störungen der mentalen Entwicklung traten dann 2,4-fach häufiger auf. Im Alter von drei Jahren hatten die hoch-exponierten Kinder signifikant häufiger Aufmerksamkeitsstörungen, tiefgreifende Entwicklungsstörungen (pervasive developmental disorder, PDD) oder Aufmerksamkeits-Defizit (ADHS)-Probleme.

Damit stellt sich für die Autoren die Frage, ob der starke Anstieg von ADHS-Störungen in der Bevölkerung (3-5 Prozent der Schulkinder nach US-Daten) eventuell im Zusammenhang mit dem starken Einsatz von Pestiziden im Innenraumbereich stehen könnte. Antworten hierauf erwarten sie von späteren Untersuchungen der Kohorte. © rme/aerzteblatt.de

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