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Haarwuchsmittel senkt PSA-Werte

Mittwoch, 6. Dezember 2006

Boston - Das Medikament Finasterid führt zu einer deutlichen Reduktion der PSA-Werte und kann deshalb zu einer falschen Bewertung dieses Screening-Instruments auf ein Prostatakarzinom führen. Dies ergab eine randomisierte kontrollierte Studie in Lancet Oncology (2007; doi:10.1016/S1470-2045(06)70981-0).

Finasterid wurde in den 90er-Jahren zur Behandlung der benignen Prostatahyperplasie entwickelt, bei der es in einer Dosierung von 5 mg/die eingesetzt wird. Als Nebenwirkung zeigte sich regelmäßig ein verstärkter Haarwuchs, was später zur Einführung eines zweiten Finasterid-Präparates zur Behandlung der androgenetischen Alopezie führte. Auch hier ist das Medikament verschreibungspflichtig. Die Dosis ist allerdings mit 1 mg/die wesentlich niedriger. 

Bei der höheren Dosierung zeigte sich zudem ein Abfall des Prostata-spezifischen Antigens (PSA), ohne dass damit eine protektive Wirkung gegen das Prostatakarzinom verbunden wäre. Der Prostate Cancer Prevention Trial ergab zwar eine Reduktion der Prostatakrebsrate um circa 25 Prozent, der aber einem Anstieg von High-Risk-Tumoren gegenüberstand.

Dass auch die geringere Dosierung, die bei der Behandlung der androgenetischen Alopezie eingesetzt wird, die PSA-Werte beeinflusst, ist hingegen eine neue Erkenntnis aus der Studie, über die Anthony D’Amico vom Dana-Faber Cancer Institute in Boston und Mitarbeiter jetzt berichten.

355 Männer im Alter von 40 bis 60 Jahren waren mit Finasterid (1 mg/die) oder Placebo behandelt worden. Primärer Endpunkt waren die PSA-Werte. Unter der Finasteridtherapie fielen sie bei den jüngeren Männern (40 bis 49) in den ersten 48 Wochen um 40 Prozent, bei den älteren Männern (50 bis 60 Jahre) sogar um 50 Prozent. Dies ist erstaunlich, weil es bei den älteren Männern im Placebo-Arm während der gleichen Zeit zu einem altersbedingten Anstieg des PSA-Wertes um 13 Prozent kam, während die PSA-Werte bei den jüngeren Männern gleich blieben. 

D’Amico fordert seine urologischen Kollegen auf, die Patienten vor der Beurteilung der PSA-Werte nach der Einnahme von Haarwuchsmitteln zu fragen, die in der Regel von anderen Kollegen (Internisten, Hausärzte oder Dermatologen) verordnet werden. © rme/aerzeblatt.de 

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