Ausland

Australien hebt Klonverbot auf

Mittwoch, 6. Dezember 2006

Canberra - Das australische Parlament hat das seit 2002 geltende Verbot des Forschungsklonens aufgehoben. Nach dem Senat stimmte am Mittwoch auch die zweite Parlamentskammer einem entsprechenden, parteiübergreifend eingebrachten Gesetzesentwurf zu. Die Regelung, die die Herstellung von Embryonen und ihre Zerstörung zur Stammzellforschung erlaubt, wurde mit 82 zu 62 Stimmen verabschiedet. Der Fraktionszwang war entgegen der in Australien üblichen Praxis aufgehoben.

Sowohl Ministerpräsident John Howard als auch Oppositionsführer Kevin Rudd lehnten während der dreitägigen Debatte die Freigabe der embryonalen Stammzellforschung ab. „Ich habe mich entschieden, gegen das Gesetz zu stimmen, weil ich glaube, dass man einige absolut geltende Prinzipien wahren muss“, so Howard. Dazu gehöre für ihn das Verbot, Embryonen nur für Forschungszwecke herzustellen und sie dann zu zerstören.

Auch die Kirchen hatten gegen die Initiative protestiert und gefordert, nur von Erwachsenen gewonnene, so genannte adulte Stammzellen zu verwenden. Der Erzbischof von Sydney, Kardinal George Pell, sprach von einem Dammbruch. Durch die Freigabe des Forschungsklonens entstünden zwei Arten von Leben. Während die einen für das Leben geschaffen seien, entstünden die anderen nur, um getötet zu werden.

In der emotional geführten Debatte im australischen Parlament begründete Verteidigungsminister Brendan Nelson die Unterstützung für das Gesetz. Die derzeitige Generation habe enorm von medizinisch-wissenschaftlichem Fortschritt profitiert. „Wir sind gegenüber den kommenden Generationen verpflichtet, die gleichen Weisheit und den gleichen Mut zu beweisen“, so Nelson.

Seit 2002 war in Australien die Forschung mit menschlichen embryonalen Stammzellen nur dann erlaubt, wenn die Zelllinien vor April 2002 hergestellt wurden. Diese Stammzellen durften zudem nur aus so genannten überzähligen Embryonen gewonnen werden, die bei Reagenzglasbefruchtungen übrig geblieben sind. Das Forschungsklonen war ausdrücklich verboten.

Eine Regierungskommission zur Überprüfung des geltenden Rechts empfahl Ende 2005 eine deutliche Liberalisierung. Der Bundesstaat Victoria kündigte an, im Fall eines Festhaltens an dem restriktiven Gesetz auf Bundesebene ein eigenes Ländergesetz zur Freigabe zu verabschieden. Victorias Hauptstadt Melbourne ist das Zentrum der australischen Stammzellforschung. © kna/aerzteblatt.de

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