Experten: „Eklatante Impfdefizite“ in Deutschland
Mittwoch, 6. Dezember 2006
Berlin - In Deutschland lassen sich aus Sicht von Experten immer noch zu wenig Menschen impfen. Das liege unter anderem daran, dass der Nutzen einer Impfung meist nicht wahrgenommen werde, sagte Heinz-Josef Schmitt von der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Mittwoch in Berlin. Zudem gebe es in Deutschland zwar Impfempfehlungen, aber kein zentralisiertes Impfprogramm wie beispielsweise in England. Erfolge gebe es hierzulande beispielsweise bei der Bekämpfung von Diphterie und Kinderlähmung. Pocken seien mittlerweile ausgerottet. Dennoch habe Deutschland „eklatante Impfdefizite“ vorzuweisen, sagte Schmitt.
Christiane Meyer von der STIKO am Robert-Koch-Institut betonte, dass die so genannte Durchimpfungsrate bei Kindern in den vergangenen Jahren zwar deutlich angestiegen sei. Große Lücken bestünden aber bei Impfungen gegen Hepathitis B, Masern, Mumps, Röteln und Keuchhusten. Gegen Influenza seien nur 50 bis 60 Prozent der Risikogruppen geimpft.
Masern seien keine harmlose Kinderkrankheit, warnte Meyer. Sie könnten zu einer Gehirn- oder Lungenentzündung führen. In etwa einem von 10.000 Fällen ende die Krankheit tödlich. Bis Ende November seien in Deutschland noch 2.271 Menschen an Masern erkrankt. 2005 wurden laut Meyer 763 Erkrankungen registriert. Die Betroffenen seien gar nicht oder nur unzureichend geimpft gewesen. In den USA, Lateinamerika und den nordeuropäischen Ländern dagegen gehörten Masernerkrankungen längst der Vergangenheit an. Deutschland sei noch weit vom WHO-Ziel entfernt, bis 2010 die Masern in Europa auszurotten.
Nach Angaben des Forum Impfen wird in Deutschland nur etwa die Hälfte der medizinisch gebotenen Impfungen realisiert. © ddp/aerzteblatt.de
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