Politik

Katholische Kirche: Gegen Änderung des Stammzellgesetzes

Montag, 11. Dezember 2006

Kardinal Karl Lehmann /dpa

Mainz - Die katholische Deutsche Bischofskonferenz hat sich entschieden gegen eine Änderung des deutschen Stammzellgesetzes ausgesprochen. Wenn die Politik die bestehende Regelung aufgäbe, verließe sie einen gesellschaftlichen Grundkonsens, warnte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, am Montag in Mainz. Er forderte die Bundesregierung auf, die deutsche Linie in Europa offensiver zu vertreten: „Jetzt ist noch Zeit, für die anstehenden spezifischen Programme Mehrheiten zu organisieren, die zu strikteren Regelungen führen.“

In einem Interview mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) wies der Kardinal den Vorschlag des Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Wolfgang Huber, entschieden zurück. Dieser hatte gefordert, die derzeit geltende Stichtagsregelung zum Stammzellimport um vier Jahre auf Ende 2005 zu verschieben. Er sehe nicht, wie man verbrauchender Embryonenforschung prinzipiell entgegentreten könne, wenn man Ausnahmen dermaßen rechtfertige, sagte Lehmann.

Die Herstellung menschlicher embryonaler Stammzellen ist in Deutschland verboten. Nach der Stichtagsregelung dürfen Wissenschaftler aber embryonale Stammzellen verwenden, die vor dem Januar 2002 im Ausland entstanden sind. Inzwischen wächst der Druck, den Stichtag zu kippen, um Zugang zu neueren Zelllinien zu erhalten. 

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) verlangte vor einem Monat die völlige Streichung des Stichtags. Huber schlug darauf eine Verschiebung des Stichtags vor. Von Bundeskanzlerin Angela Merkel und weiteren CDU-Vertretern kamen im November Signale, die auf eine Abkehr vom Stichtag hindeuten.

Lehmann äußerte tiefe Skepsis gegenüber der Haltung der Forscher zum Stammzellgesetz. Das einseitige Pochen auf die eigenen Interessen sei oft mit „verführerischen, aber möglicherweise nie einlösbaren Versprechen“ auf Heilung von Krankheiten verbunden. Der Kardinal verwies erneut auf die Möglichkeiten der ethisch unproblematischen adulten Stammzellforschung, aus der manche Erfolge vermeldet würden.

Er sehe zwar die positive Absicht Hubers, der DFG-Forderung entgegentreten zu wollen. Das Einführen und Verschieben von Stichtagen bedeute aber eine Relativierung des Lebensschutzes. Deswegen bestünden auf katholischer Seite grundlegende Einwände gegen ein solches Vorgehen. „Der Schutz des menschlichen Lebens gilt uneingeschränkt; da kann es keine Ausnahmen geben“, mahnte der Kardinal. Hinter dem Ansatz der evangelischen Kirche verberge sich vermutlich ein anderes ethisches Grundmodell. © kna/aerzteblatt.de

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