Heparin: Warnung vor später Thrombozytopenie nach Therapieende
Dienstag, 12. Dezember 2006
Washington - Eine heparininduzierte Thrombozytopenie (HIT), die lebensgefährliche Thrombosen auslösen kann, kann nicht nur während oder unmittelbar nach dem Ende der Heparintherapie auftreten, sondern noch Wochen später. Darauf macht jetzt die amerikanische Zulassungsbehörde FDA aufmerksam. Die Warnung richtet sich in erster Linie an Gefäßchirurgen und Notfallmediziner.
Ein US-Anbieter von Heparinen musste seine Fachinformation ergänzen. Dort wird die HIT als schwere antikörpervermittelte Reaktion des Körpers beschrieben, die zu einer irreversiblen Aggregation von Thrombozyten führt. Die Folge können venöse und arterielle Thrombosen sein, also genau der Zustand, der durch die Heparingabe eigentlich verhindert werden soll. Die Komplikation wird auch als heparininduzierte Thrombozytopenie und Thrombose oder HITT beschrieben, ein Begriff der sich in Deutschland noch nicht durchgesetzt hat. Zu den thromboembolischen Ereignissen der HITT gehören die tiefe Venenthrombose, die Lungenembolie, eine Thrombose der zerebralen Venen, eine Ischämie der Extremitäten bis zur Gangrän, ein Schlaganfall, eine Mesenterialthrombose, eine Thrombose der Nierenarterien oder Hautnekrosen.
Aus diesen Gründen wird allgemein geraten, bei allen heparinisierten Patienten auf eine Thrombozytopenie zu achten. Bei einem Abfall der Thrombozyten unter 100.000/mm3 oder bei einer rezidivierenden Thrombose sollte Heparin sofort abgesetzt und wenn erforderlich alternative Methoden zur Antikoagulation eingesetzt werden, heißt es in der Fachinformation. Neu ist die Erkenntnis, dass HIT und HITT noch „mehrere Wochen“ nach dem Ende der Heparintherapie auftreten können. Ein Verdacht besteht bei Patienten mit Thrombozytopenie oder Thrombosen. Die FDA gibt keine Hinweise auf die Häufigkeit von HIT oder HITT und auch keine Empfehlungen zur Behandlung. © rme/aerzteblatt.de
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