Neue Theorie zur Entstehung der Schizophrenie
Mittwoch, 13. Dezember 2006
Hamburg – Eine neue Theorie zur Entstehung der Schizophrenie hat eine internationale Forschergruppe unter der Leitung von Thomas Rädler entwickelt, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf. Die Wissenschaftler publizierten die „muskarinerge Hypothese der Schizophrenie“ in der Online-Ausgabe der Fachzeitschrift „Molecular Psychiatry“ (doi: 10.1038/sj.mp.4001924).
Die Schizophrenie ist eine schwere und häufig chronisch verlaufende psychiatrische Erkrankung, die etwa ein Prozent der Bevölkerung betrifft. Hauptsymptome der Schizophrenie sind Halluzinationen, Wahn und Denkstörungen. Darüber hinaus leiden die Betroffenen häufig an Antriebsverlust, sozialem Rückzug sowie Konzentrations-, Aufmerksamkeits- und Gedächtnisstörungen. Bisher wird die Schizophrenie vor allem mit einem Ungleichgewicht im Dopaminhaushalt in Verbindung gebracht, was jedoch nicht alle Aspekte der Krankheit erklären kann.
Aufbauend auf neuropathologischen, Bildgebungs- sowie klinischen und pharmakologischen Studien hat die Forschergruppe um Rädler die Hypothese aufgestellt, dass Veränderungen im muskarinergen Acetylcholinsystem eine wesentliche Rolle in Ursache und Entstehung der Schizophrenie spielen. „Die muskarinerge Hypothese trägt zu einem besseren Verständnis der neurobiologischen Grundlagen der Schizophrenie bei“, hieß es aus der Arbeitsgruppe.
Acetylcholin spielt eine wesentliche Rolle für zahlreiche Hirnfunktionen, darunter Gedächtnis, Lernen, Aufmerksamkeit, Schlaf und Schmerz. Die Wirkung von Acetylcholin wird über zwei verschiedene Rezeptorsysteme, muskarinerge Acetylcholinrezeptoren und nikotinerge Acetylcholinrezeptoren, vermittelt. © hil/aerzteblatt.de
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