USA: Medizinische Kosten als Verarmungsrisiko
Mittwoch, 13. Dezember 2006
Rockville/Maryland - Die steigenden Ausgaben für ärztliche Behandlungen treiben in den USA immer häufiger Menschen in den wirtschaftlichen Ruin. Unbezahlte Arztrechnungen gehören dort zu den häufigsten Gründen für Privatinsolvenzen. Eine Untersuchung im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2006; 296: 2712-2719) zeigt jetzt, dass viele Menschen einen erheblichen Teil ihres Einkommens für Gesundheitskosten ausgeben.
Während es in den USA für Rentner (Medicare) und für Arme (Medicaid) staatliche Zuschüsse gibt, gelten viele jüngere und vermeintlich wohlhabende US-Bürger als unterversichert. Sie sind teilweise über den Arbeitgeber versichert, müssen aber einen großen Teil der medizinischen Kosten selbst tragen. Die Summe dieser Out-of-pocket-Zahlungen ist zwischen 1997 und 2004 von 162 auf 236 Milliarden US-Dollar gestiegen, schreiben Jessica Banthin und Didem Bernard von der Agency for Healthcare Research and Quality (AHRQ), einer Behörde des Gesundheitsministeriums in Washington.
Die AHRQ führt regelmäßig Umfragen zu den medizinischen Ausgaben der Bevölkerung durch. Die neuesten Zahlen dieser Medical Expenditure Panel Surveys zeigen, dass der Anteil der Out-of-pocket-Zahlungen für medizinische Leistungen in den letzten Jahren gestiegen ist. Gaben 1996 noch 11,7 Millionen Personen mehr als 10 Prozent der Familienbudgets für medizinische Behandlung aus, so sind es heute 48,8 Millionen (19,2 Prozent). 18,7 Prozent der US-Bürger geben sogar mehr als 20 Prozent ihres Familieneinkommens für Rechnungen aus, die ihnen von Ärzten oder Kliniken ausgestellt werden, oder für Medikamente und andere Hilfsmittel. Am schlimmsten betroffen sind den Autoren zufolge US-Bürger mit einem geringeren Einkommen, die nicht krankenversichert sind, sowie Personen im Alter von 55 bis 64 Jahren, Menschen in ländlichen Regionen und solche in einem schlechten Gesundheitszustand oder mit betreuungsintensiven Behinderungen. © rme/aerzteblatt.de
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