Medizin

Antidepressiva: Suizidwarnung für unter 24-Jährige gefordert

Donnerstag, 14. Dezember 2006

Silver Springs - Ein Beratergremium hat der US-amerikanischen Zulassungsbehörde FDA zu einer Verschärfung der Warnhinweise in den Fachinformationen von Antidepressiva geraten. Mit sechs zu zwei Stimmen sprachen sich die medizinischen Experten dafür aus, dass bei der Verordnung auf ein erhöhtes Risiko von Suidzidgedanken und Suiziden bei Patienten unter 25 Jahren hingewiesen wird.

Die Berater zogen damit eine Konsequenz aus den neuesten Daten, welche die FDA in einem Memorandum zusammengefasst hat, das wenige Tage vor dem Treffen des Psychopharmacologic Drugs Advisory Committee vom 13. Dezember 2006 ins Internet gestellt wurde. Die Übersicht basiert auf zum Teil unveröffentlichten Studien der Hersteller. Deren Ergebnisse hatte die FDA eingefordert, nachdem bekannt geworden war, dass einige Hersteller bewusst Ergebnisse von Studien mit negativem Ergebnis oder Hinweis auf Suizidrisiken zurückgehalten hatten.

Die aktuelle Übersicht auf der Basis von 372 Studien mit fast 100.000 Teilnehmern zeigt jetzt eine inverse Korrelation zwischen Alter und Suizidalität unter der Medikation. Mit anderen Worten: Je jünger die Patienten sind, desto größer ist die Gefahr, dass es unter der Therapie zu Suizidgedanken oder einem vollendeten Suizid kommt. Der Schnittpunkt mit der Nulllinie (Odds Ratio =1) liegt bei 35 bis 40 Jahren. So weit wollten die Berater aber nicht gehen. Sie schlagen als Grenzalter 25 Jahre vor. Unter dieser Grenze ist das Risiko einer Suizidalität wenigstens verdoppelt (Odds Ratio ≥2). Auf 1.000 Patienten kommen nach den Daten etwa 4 Personen, die unter der Therapie suizidal werden. Bei älteren Menschen ist das Verhältnis umgekehrt. Hier senken die Medikamente die Suizidalität.

Diese Zahlen werden die Berater mehr überzeugt haben als die bei diesen Veranstaltungen üblichen Aussagen von Patienten, in denen hoch emotionalisiert entweder die Pharmaindustrie für den Tod von Angehörigen verantwortlich gemacht wird, oder im Gegenteil vor den schweren Folgen einer Fehlentscheidung gewarnt wird.

Wenn die US-Presseberichte das Stimmungsbild richtig wiedergeben, dann scheint bei den US-Psychiatern eher die Sorge zu überwiegen, dass die Reglementierung die Behandlungsmöglichkeiten bei jüngeren Patienten einschränkt. Explizite Kontraindikationen sind zwar nicht vorgesehen, und es ist nicht sicher, das die FDA dem Votum der Experten folgt, was aber im Allgemeinen geschieht. Doch allein die Aufmerksamkeit der Medien hat dazu geführt, dass die Verordnungen von Antidepressiva bei jüngeren Patienten rückläufig sind.

Als bedenklich eingestuft wurde, dass die US-Centers for Disease Control and Prevention in der letzten Woche einen leichten Anstieg der Suizidrate bei Teenagern signalisierten. Dies bezieht sich allerdings auf Daten aus dem Jahr 2004. Dies war, bevor die Verordnungszahlen deutlich zurückgingen. © rme/aerzteblatt.de

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