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Zirkumzision halbiert HIV-Übertragungsrisiko

Donnerstag, 14. Dezember 2006

Washington - Die Zirkumzision halbiert bei heterosexuellen Männern die Rate von HIV-Infektionen. Dies ergaben zwei Studien, die das US-National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID) in Afrika durchgeführt hat. Beide Studien wurden aufgrund von Zwischenergebnissen vor wenigen Tagen vorzeitig abgebrochen. Die US-Behörde überlegt jetzt, ob in Hoch-Risiko-Ländern die Beschneidung junger Männer gefördert werden sollte. Inwiefern die Maßnahme in Industrieländern sinnvoll ist, bleibt angesichts der anderen Risikogruppen und der höheren Akzeptanz von Kondomen zu klären.

Die Studien fanden in Kisumu, Kenia, und Rakai, Uganda, statt. In Kenia nahmen 2.784 HIV-negative Männer teil. Hier kam es zu einer Reduktion der HIV-Infektionsrate um 53 Prozent. In Uganda, wo 4.996 HIV-negative Männer  in die Studien eingeschlossen wurden, ging die HIV-Infektionsrate um 48 Prozent zurück. Es handelt sich nicht um die erste Studie. Bereits im letzten Jahr hatte die französische Agence Nationale de Recherches sur le Sida (ANRS) die Ergebnisse einer ähnlichen Studie publiziert (PLos Medicine 2005; 2: e298).

Damals waren 3.274 Männer auf eine Beschneidung oder eine Beobachtung randomisiert worden. Die Zirkumzision senkte das Risiko einer HIV-Infektion um 60 Prozent. Eine weitere Studie, welche die Auswirkung der Zirkumzision auf die HIV-Infektionsrate der Partnerinnen untersucht, wird zurzeit von Forschern der Johns Hopkins Universität in Baltimore durchgeführt. Auch eine Cochrane Analyse, allerdings auf der Basis von Beobachtungstudien, liegt bereits vor. Hier vermieden die Autoren  aufgrund der vielen Unterschiede in den Studien eine klare Position (Lancet Infect Dis. 2005; 5: 165-73).

Die präventive Wirkung der Zirkumzision wird mit der hohen Dichte von Langerhans-Zellen im Präputium in Verbindung gebracht. Diese Zellen gelten als Reservoir von HI-Viren.

Sowohl das NIAID als auch die Weltgesundheitsorganisation haben darauf hingewiesen, dass eine Halbierung des Infektionsrisikos nicht mit einem absoluten Schutz vor einer Infektion verwechselt werden darf. Die Beschneidung sei deshalb kein Ersatz für die Verwendung von Kondomen. Und bei Männern, die regelmäßig Kondome verwenden, dürfte die Zirkumzision kaum einen weiteren Vorteil bieten. 

Die Kommunikation der neuen Studienergebnisse unter den Hochrisiko-Populationen dürfte sich deshalb als schwierig gestalten. In den Studien, so wird versichert, sei es allerdings gelungen, die Teilnehmer parallel zur Zirkumzision intensiv zu beraten, sodass in beiden Gruppen die Rate des ungeschützten Geschlechtsverkehrs zurückgegangen sei.

Als Konsequenz der beiden US-Studien dürfte es bald zu Initiativen kommen, welche die Zirkumzision von Männern in Afrika fordern oder fördern. Die WHO drückt allerdings erste Bedenken aus. Derartige Initiativen greifen stärker als die bisherigen Safer-Sex-Kampagnen in tiefe kulturelle Riten ein und berühren auch Menschenrechtsaspekte.

Die Durchführung der Zirkumzision stellt unter den Bedingungen afrikanischer Länder auch ein hygienisches Risiko dar, vor allem wenn darauf bestanden wird, sie nach traditionellen Riten durchzuführen. Schließlich ist nicht sicher, dass die Zirkumzision im Allgemeinen nicht doch als ein Ersatz für die Verwendung von Kondomen missverstanden wird. Die Replikation der Ergebnisse aus randomisierten kontrollierten Studien in der alltäglichen Praxis kann sich durchaus als schwierig gestalten.

Völlig unklar ist, ob die Zirkumzision für Industrieländer eine Option der Aids-Prävention ist. Die Mehrzahl der Infektionen entfällt hier weiterhin auf Männer, die Sex mit Männern haben, und ob hier eine Zirkumzision Vorteile bietet, ist unklar. Die WHO strebt zu dieser Frage eine Studie an. © rme/aerzteblatt.de

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