23-Jähriger soll Selbstmördern Todespillen verkauft haben
Freitag, 15. Dezember 2006
Wuppertal - In einem bundesweit einmaligen Prozess muss sich ab Freitag ein 23-Jähriger vor dem Landgericht Wuppertal verantworten, einer Selbstmordgefährdeten über das Internet todbringende Medikamente verkauft zu haben. Sechs der 18 belieferten Kunden des Beschuldigten starben laut Anklage nach Einnahme der verschreibungspflichtigen Arzneien; sieben weitere konnten gerettet werden, nachdem sie bis zu einer Woche im Koma gelegen hatten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Wuppertaler besonders schwere Verstöße gegen das Arzneimittelgesetz vor; die Höchststrafe dafür beträgt zehn Jahre. Dagegen ist Beihilfe zum Selbstmord nach deutschem Recht nicht strafbar.
Der Event-Manager soll laut Anklageschrift zwischen November 2004 und Mai 2005 über ein einschlägiges Internetforum Kontakte zu potenziellen Selbstmördern aufgenommen haben. Nach Erkenntnissen der Ermittler verkaufte er seinen Kunden in diesem Zeitraum insgesamt mindestens 1.550 Tabletten des Antiepileptikums Luminal und 118 Tabletten Truxal, eines vor allem bei Psychosen eingesetzten Arzneimittels. Zu den sieben Abnehmern, die nach Einnahme der Arzneien für Tage ins Koma fielen, zählt nach Gerichtsangaben auch ein 21-Jähriger aus dem brandenburgischen Eberswalde.
Für die verschreibungspflichtigen Medikamente soll der Angeklagte von seinen Kunden 7.880 Euro erhalten haben, außerdem zwei Laptops und eine Digitalkamera. Für das Verfahren hat die dritte große Strafkammer des Wuppertaler Gerichts zunächst acht Verhandlungstage bis Ende Januar anberaumt. © afp/aerzteblatt.de
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