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Pathogenität von Toxoplasma gondii geklärt

Montag, 18. Dezember 2006

St. Louis/Stanford - US-Forscher haben das Virulenzgen des wohl erfolgreichsten Parasiten im gesamten Tierreich gefunden. Toxoplasma gondii, der Erreger der Toxoplasmose, legt mit dem Enzym ROP18 den Stoffwechsel der Zellen lahm, die es befällt. Dies berichten die Forscher in Science (2006: 314: 1776-1780. 1780-1783). Da ROP18 eine Kinase ist, gegen die in der Tumortherapie bereits Wirkstoffe entwickelt wurden, könnte der Weg zu neuen Medikamenten gegen die Toxoplasmose kurz sein.

Etwa ein Viertel der Menschheit ist mit T. gondii befallen, aber nur selten erkrankt. Der Erreger wird meistens über Hauskatzen oder den Verzehr von roher Milch oder rohem Fleisch übertragen. Er erzeugt, obwohl er häufig das Gehirn befällt, selten Symptome. Gefährdet sind Menschen mit extremer Abwehrschwäche und Feten, auf die der Erreger – bei einer frischen Infektion der Mutter – diaplazentar übertragen wird. Die therapeutischen Möglichkeiten sind dann begrenzt, da viele wirksame Antibiotika schlecht verträglich sind. 

Deshalb setzt die Forschung große Hoffnungen in die 2004 gelungene komplette Sequenzierung des Genoms von T. gondii. Sie hat die Grundlagenforschung stimuliert und eins der ersten Ergebnisse ist die Entdeckung von ROP18 durch die Arbeitsgruppe um David Sibley von der Washington Universität in St.Louis. Die Forscher haben herausgefunden, dass dieses Enzym, kodiert in einem der 4.000 Gene des Erregers, für 90 Prozent der Virulenz verantwortlich ist.

ROP18 wird von T. gondii nach der Infektion der Zelle freigesetzt und ist in der Lage, den intrazellulären Signalfluss in einer Weise zu beeinflussen, welcher das Wachstum und die Vermehrung der Parasiten begünstigt. Das Enzym gehört zur Gruppe der Kinasen. Damit wird es zu einem vielversprechenden therapeutischen Angriffspunkt. In der Tumortherapie werden seit einigen Jahren Hemmstoffe gegen Kinasen eingesetzt. Es wäre deshalb denkbar, dass ähnliche Stoffe gegen die Kinase ROP18 entwickelt werden könnten.

ROP18 wäre auch deshalb ein interessantes Ziel, weil das Enzym, zusammen mit einer anderen Kinase, ROP16, die hohe Virulenz einzelner Stämme von T. gondii erklärt, wie die Gruppe um John Boothroyd von der Stanford Universität herausgefunden hat. Nachweistests gegen diese Enzyme wären deshalb auch ein Mittel, um bei einer Infektion von Schwangeren zwischen potenziell harmlosen oder gefährlichen Erregern zu unterscheiden. Ob dies gelingt, lässt sich, ebenso wie die therapeutische Wirkung der Kinase-Hemmer allerdings nicht vorhersagen. © rme/aerzteblatt.de

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