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Rückgang der Brustkrebsinzidenz – Folge der Women's Health Initiative

Freitag, 15. Dezember 2006

San Antonio - Zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage kommt eine Studie zu dem Ergebnis, dass die Zahl der Neuerkrankungen an Brustkrebs seit dem Ende der Hormonersatztherapie-Ära zurückgeht. Dieser erfreuliche Trend, auf den kürzlich Vertreter einer US-Krankenkasse erstmals hingewiesen hatten, konnte jetzt durch die Analyse eines landesweiten Krebsregisters bestätigt werden.

Die neuen Zahlen beruhen auf den Meldungen an Brustkrebsneuerkrankungen aus den Jahren 2002 und 2003 an das Surveillance Epidemiology and End Results oder SEER-Register, das vom US-National Cancer Institute betrieben wird. Peter Ravdin vom M. D. Anderson Cancer Center in Houston/Texas und Mitarbeiter beschränkten ihre Analyse zwar auf neun Regionen des Landes, die aber als repräsentativ gelten können.

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Nach den Ergebnissen, die der Biostatistiker jetzt auf dem alljährlichen San Antonio Breast Cancer Symposium vorstellte, kam es zwischen 2002 und 2003 zu einem Rückgang der Neudiagnosen an Brustkrebs um 7 Prozent. Hochgerechnet auf die gesamte USA traten im 2003 etwa 14.000 weniger Brustkrebserkrankungen auf als 2002, bei einer Gesamtzahl von geschätzten 203.500 Neuerkrankungen. Der größte Rückgang, nämlich um 12 Prozent, wurde in der Altersgruppe der 50- bis 69-jährigen Frauen mit rezeptor-positiven Tumoren verzeichnet.

Dies ist aus zwei Gründen bemerkenswert. Zum einen war diese Altersgruppe die Zielgruppe der sogenannten Hormonersatztherapie, welche vor Herzinfarkt und Osteoporose schützen sollte, aber, wie die im Juli 2002 abgebrochene Women's Health Initiative (WHI) zeigte, das Brustkrebsrisiko erhöhte. Nach Angaben von Ravdin nahmen zuletzt 30 Prozent aller postmenopausalen Frauen in den USA regelmäßig Hormone ein, von denen im Prinzip bekannt war, dass sie rezeptorpositive Brustkrebszellen zum Wachstum anregen.

Dass der Rückgang der Neuerkrankungen bei diesen Tumoren am stärksten ausgeprägt war, ist das zweite bemerkenswerte Ergebnis, das von der Pathogenese her, bildlich gesprochen, wie die Faust aufs Auge passt. Dass der Effekt bereits im ersten Jahr erkennbar war, als in den USA die Verordnungszahlen um 68 Prozent zurückgingen, hat die anwesenden Gynäkologen überrascht, lässt sich aber erklären. Die Hormontherapie könnte in der Vergangenheit dazu geführt haben, dass die Tumoren schneller symptomatisch wurden. Der Verzicht auf die Hormone könnte dazu führen, dass diese Tumoren jetzt erst später entdeckt werden.

Dies ist aber eine weitgehende Spekulation. Eine Kausalität lässt sich aus den Daten nicht sicher ableiten. Auffällig ist die positive Entwicklung aber dennoch, handelt es sich doch um den ersten Rückgang der Brustkrebsinzidenz seit 1945. Danach hatte die Inzidenz stetig zugenommen, seit 1990 (altersbereinigt) pro Jahr um etwa 1 Prozent. Der jetzige Rückgang war weitgehend auf die östrogenrezeptor-positiven Tumoren in der Postmenopause konzentriert. Aber auch die östrogenrezeptornegativen Tumoren gingen um 4 Prozent zurück. Für alle Altersgruppen stellen die Autoren einen Rückgang bei den östrogenrezeptor-positiven Tumoren um 8 Prozent und bei den östrogenrezeptor-negativen Tumoren um 4 Prozent fest.

Vor wenigen Tagen hatten Christina Clarke vom Northern California Cancer Center in Oakland und Mitarbeiter berichtet, dass die Zahl der Brustkrebserkrankungen unter den 50- bis 74-jährigen weiblichen Versicherten von Kaiser Permanente in Nordkalifornien seit den Ergebnissen der WHI um 10 Prozent zurückgegangen sind. Beide Untersuchungen weisen demnach in die gleiche Richtung und man darf gespannt sein, ob sich dieser Trend fortsetzen wird. © rme/aerzteblatt.de

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