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Extrakte aus Traubensilberkerze in Studie ohne Wirkung gegen klimakterische Beschwerden

Dienstag, 19. Dezember 2006

Seattle - Eine populäre Phytotherapie linderte in einer randomisierten kontrollierten Studie der US-National Institutes of Health klimakterische Beschwerden nicht besser als ein Placebo, während die konventionelle Hormontherapie mit Estrogen/Progestin, die wegen des erhöhten Brustkrebsrisikos nur kurz angewendet werden sollte, wirksam war. Dies geht aus der Publikation in den Annals of Internal Medicine (2006; 145: 869-879) hervor.

Die Verunsicherung, welche die Women´s Health Initiative (WHI) bei vielen Patientinnen mit klimakterischen Beschwerden ausgelöst hat, ist den Herstellern von pflanzlichen Präparaten in den letzten Jahren zugute gekommen. Viele Patientinnen fragen ihre Ärzte nach Alternativen zu den Hormonpräparaten. Hier bieten sich pflanzliche Präparate an. Von einigen Herstellern werden sie sogar mit dem Hinweis auf die WHI-Studie beworben. Dabei wird leicht übersehen, dass die WHI-Studie gar nicht die Behandlung von klimakterischen Beschwerden zum Gegenstand hatte, die eine vorübergehende Therapie der Symptome erfordert. Untersucht wurde vielmehr die langfristige präventive Wirkung gegen Osteoporose und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Auch hinsichtlich der zu befürchtenden Komplikationen sind dies zwei unterschiedliche Ansätze.

Zunächst stellt sich aber die Frage, ob die Phytotherapien überhaupt wirksam sind. Das National Center for Complementary and Alternative Medicine und das National Institute of Aging haben zu einer populären Phytotherapie eine randomisierte kontrollierte Studie initiiert. An der „Herbal Alternatives for Menopause Trial“ (HALT) nahmen 351 Frauen im Alter von 45 bis 55 Jahren teil, die wenigstens 2 Episoden von Hitzewallungen pro Tag oder nächtliche Schweißausbrüche hatten. Etwa die Hälfte befand sich in der Perimenopause, die anderen hatten keine Menstruationen mehr, wie die Autoren um Katherine Newton von den Group Health Cooperative Center for Health Studies in Seattle berichten.

Zum Einsatz kam zum einen ein Extrakt aus der Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa), auch Wanzenkraut genannt. In dessen Wurzelstock wurden unter anderem Saponine nachgewiesen, Moleküle mit einem Steroidgerüst, denen hormonähnliche Wirkungen nachgesagt werden. Im zweiten Arm der Studie nahmen die Frauen Tabletten ein, die neben Traubensilberkerze noch neun weitere pflanzliche Stoffe enthielten (Einzelheiten siehe PDF-Datei).

In der dritten Gruppe wurden diese Multi-Phyto-Präparate noch mit einer Ernährungstherapie gekoppelt, die die vermehrte Zufuhr von Sojaprodukten propagierte. Sojaprodukte enthalten ebenfalls hormonähnliche Substanzen, die bei der Behandlung von Wechseljahresbeschwerden hilfreich sein könnten – es aber nicht waren. Bei allen drei Behandlungsansätzen waren die Ergebnisse nicht besser als im vierten Arm der Studie, in dem die Patientinnen Placebos einnahmen. Es gab eine Ausnahme: Nach 12 Monaten Therapie war die Symptomintensität unter der Kombination aus „Multi-Phytos“ plus Ernährungsberatung schlechter als im Placeboarm, was eher gegen diese Therapie spricht.

Die Studie hatte noch einen fünften Arm. Hier erhielten die Frauen Hormonpräparate (konjugiertes equines Estrogen, 0,625 mg/die - eventuell kombiniert mit Medroxyprogesteron 2,5 mg/die). Es kam zu einer Linderung der klimakterischen Beschwerden, was aber angesichts der bekannten und in klinischen Studien dokumentierten Wirkung der Hormone keine Überraschung war. 

Einschränkend fügt die Gruppe hinzu, dass die Teilnehmerzahl zu gering war, um eine leichte Besserung (Reduktion der Episoden um weniger als 1,5 pro Tag) sicher nachzuweisen. Außerdem wurden die Medikamente von neutralen Personen abgegeben. Es fehlte also die überzeugende Wirkung eines phytotherapeutisch inspirierten Apothekers oder Heilpraktikers. 

Die Studie war auch zu klein, um mögliche Komplikationen der Hormontherapie beziehungsweise Phytotherapie aufzudecken. Dennoch sind die Therapeuten gut beraten, das Brustkrebsrisiko bei der Behandlung von klimakterischen Beschwerden zu beachten, wie dies inzwischen auch die meisten Leitlinien fordern. Für die Patientinnen selbst dürften neben den langfristigen Bedenken um die Sicherheit auch die kurzfristigen Nebenwirkungen der Hormontherapie von Bedeutung sein.

Der Einsatz von Hormonen bei Frauen, die diese nicht mehr selbst produzieren, kann durchaus beschwerlich sein, wie ein Blick auf Tabelle 4 der Publikation zeigt. Menstruationsbeschwerden und Unbehagen in der Brust waren signifikant häufiger als unter Placebo, während sich die Phyto-Präparate auch in den Nebenwirkungen nicht von Placebo unterschieden. © rme/aerzteblatt.de

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