Ausland

Italien: Sterbehilfe im Fall Welby

Donnerstag, 21. Dezember 2006

Rom - Ein italienischer Arzt hat dem unheilbar kranken Piergiorgio Welby zum Tod verholfen. „Ich habe dem Wunsch Welbys zu sterben nachgegeben“, sagte der Mediziner Mario Riccio am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Rom. Welby litt seit 27 Jahren an der so genannten Muskeldystrophie, einer fortschreitenden Muskelschwäche, und wurde seit 1997 durch künstliche Beatmung am Leben gehalten. Er hatte vergeblich vor Gericht um sein Recht auf Sterbehilfe gekämpft.

Welby sei am Mittwoch um 23.30 MEZ gestorben, berichtete Riccio. Er habe das Beatmungsgerät abgeschaltet und dem Patienten Medikamente gegeben, um zu verhindern, dass er leidet. Welby habe ihm am Montag während einer langen Unterhaltung versichert, dass die Abschaltung des Beatmungsgerätes sein Wunsch sei, sagte der Anästhesist vom Krankenhaus in Cremona. Er habe kein Hindernis gesehen, da das von Welby geforderte Recht auf Sterbehilfe in Italien weitgehend anerkannt sei und praktiziert werde. Der Chef der italienischen Partei der Radikalen, Marco Capatto, hatte den Arzt gebeten, Welby in seinem Wunsch nach Sterbehilfe zu unterstützten.

Die christdemokratische Union (UDC) im italienischen Parlament verurteilte das Vorgehen als "Mord". Laut italienischem Fernsehen forderte der Fraktionschef der UDC, Luca Volonte, die "Verantwortlichen für diesen Mord" zu verhaften. Der Vizepräsident der rechten Alleanza Nazionale, Ignazio La Russa, sprach von einer "barbarischen Instrumentalisierung" des Falls durch die Radikale Partei (PR). Deren Spitzenpolitiker Marco Pannella hatte sich energisch für ein Recht Welbys auf Abbruch der Behandlung eingesetzt.

Nach Ansicht des italienischen Verbands katholischer Juristen muss die italienische Gesetzeslage zur Sterbehilfe auch nach den Erfahrungen mit dem Fall Welby nicht verändert werden. Die Materie sei völlig klar und vollständig geregelt, sagte der Präsident der Vereinigung, Francesco D'Agostino, in Radio Vatikan. Es gebe ein Nein zu Euthanasie, zugleich aber die Möglichkeit für Patienten, lebensverlängernde Maßnahmen zurückzuweisen. D'Agostino warnte vor neuen Gesetzesinitiativen zur Sterbehilfe. Wer darauf dränge, fördere unabsichtlich oder bewusst nur eine Legalisierung.

Welby hatte mit seinem Kampf um Sterbehilfe eine heftige Debatte in Italien ausgelöst. Der Kranke wäre am 26. Dezember 61 Jahre alt geworden. Er konnte zuletzt nur noch seine Augen bewegen, um sich mit seiner Umwelt zu verständigen. Seine Anwälte wollten erreichen, dass die medizinischen Geräte zur Lebenserhaltung ihres Mandanten abgeschaltet werden. Ein Gericht lehnte es vergangene Woche ab, über die Klage zu entscheiden. Im katholisch geprägten Italien sind sowohl aktive als auch passive Sterbehilfe verboten. © afp/aerzteblatt.de

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