Kühlhaube „Cool-Cap“ soll Hirnschäden nach komplizierten Geburten vermeiden
Donnerstag, 21. Dezember 2006
Washington - US-Pädiatern dürfte es in Zukunft leichter fallen, nach schwierigen Geburten einen kühlen Kopf zu bewahren. Nicht den eigenen, sondern den ihrer neugeborenen Patienten. Die amerikanische Zulassungsbehörde FDA erteilte nämlich einem Hersteller die Genehmigung zum Vertrieb der Kühlhaube Olympic Cool-Cap. Sie soll die Hirntemperatur von Neugeborenen senken und damit die Folgen einer hypoxisch-ischämischen Enzephalopathie (HIE) mildern.
HIE ist eine gefürchtete und keineswegs seltene Geburtskomplikation. In den USA kommt es nach Angaben der FDA jedes Jahr bei 5.000 bis 9.000 Geburten nach einer vorübergehenden Unterbrechung der Sauerstoffzufuhr, etwa nach einem Nabelschnurvorfall zu einer HIE. Viele Kinder erholen sich, doch bei 25 Prozent kommt es zu schweren Behinderungen, weitere 20 Prozent sterben später an ihren schweren Hirnschäden. Bisher stand den Ärzten keine effektive Behandlung zur Verfügung. Dies mag die Bereitschaft der FDA gefördert haben, die unkonventionelle Kühlhaube zuzulassen, die die Kopftemperatur um 3 bis 4°C senkt und damit den Sauerstoffbedarf des Gehirns vermindert.
Dass dies die Prognose der Kinder tatsächlich verbessern kann, belegte Anfang letzten Jahres eine randomisierte kontrollierte Studie (Lancet 2005; 365: 663-670) an 234 Neugeborenen mit mittelschwerer bis schwerer HIE. Die Kinder, die den Cool-Cap über drei Tage trugen, hatten eine bessere Prognose: Nach 18 Monaten war der Anteil der Kinder, die gestorben waren oder nur mit schweren Behinderungen überlebten, um 39 Prozent niedriger. Bei den Kindern, bei denen eine EEG-Untersuchung einen weniger schweren Hirnschaden vermuten ließ, konnte dieser Endpunkt sogar um 68 Prozent gesenkt werden. Bei sehr schweren HIE-Fällen war der Cool-Cap dagegen nutzlos.
Die genannten Ergebnisse verfehlten allerdings das Signifikanzniveau, was die Auflagen an den Hersteller erklären mag. Er wurde verpflichtet, ein Patientenregister einzurichten und die im klinischen Alltag erzielten Ergebnisse zu dokumentieren. Außerdem wurde eine zertifizierte Fortbildung der Anwender vorgeschrieben. Es besteht die Sorge, dass eine nicht sachgerechte Anwendung mehr Schaden als Nutzen anrichten könnte. © rme/aerzteblatt.de
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