Politik

Ethikrats-Vorsitzende sieht Änderungsbedarf beim Stammzellgesetz

Freitag, 22. Dezember 2006

Kristiane Weber-Hassemer

Frankfurt - Die Vorsitzende des Nationalen Ethikrates, Kristiane Weber-Hassemer, sieht Änderungsbedarf beim deutschen Stammzellgesetz. Stichtagsregelung und Strafandrohung gegen deutsche Wissenschaftler gingen an der „internationalen Forschungspraxis“ vorbei, sagte sie der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ vom Freitag.

Generell ist die Herstellung menschlicher embryonaler Stammzellen in Deutschland verboten, weil dadurch Embryonen zerstört werden. Nach der Stichtagsregelung dürfen Wissenschaftler aber embryonale Stammzellen verwenden, die vor Januar 2002 im Ausland entstanden sind. Forscher, die sich an diese Regelung nicht halten, werden mit Strafe bedroht - auch wenn das im Ausland geschieht. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft verlangt die Streichung des Stichtags und die Abschaffung der Strafandrohung. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Wolfgang Huber, schlug eine einmalige Verschiebung des Stichtags auf Ende 2005 vor.

Weber-Hassemer sprach im Zusammenhang mit der Strafandrohung von einem „Damokles-Schwert“, das über den Forschern hänge. Sie verwies zugleich darauf, dass die Naturwissenschaftler sich weithin einig seien, dass die geltende Stichtagsregelung überholt sei, weil nur veraltete und verunreinigte Stammzellen zur Verfügung ständen.

Zur insgesamt eher restriktiven deutschen Gesetzeslage beim Embryonenschutz und der Stammzellforschung sagte Weber-Hassemer, es bestehe die Sorge, dass durch die neuen Möglichkeiten der Gentechnik und Gendiagnostik ein Menschenbild aufgekündigt werde, „wonach die Menschen alle der zufälligen genetischen Ausstattung unterliegen und insofern gleich sind“. Die Angst vor dem Missbrauch und dem Dammbruch könne aber andererseits auch blind machen gegenüber individuellen Konfliktlagen. © kann/aerzteblatt.de

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