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Hypertonie: Mäßiger Alkoholkonsum senkt Herzinfarktrisiko

Mittwoch, 3. Januar 2007

Boston - Das neue Jahr beginnt mit einer angenehmen Nachricht für Hypertoniker. Nach einer neuen Auswertung der Health Professionals Follow-Up Study brauchen sie entgegen bisherigen Empfehlungen ihrer Ärzte alkoholischen Getränken nicht völlig abzuschwören. Die neue Analyse der prospektiven Beobachtungsstudie kommt in den Annals of Internal Medicine (2007; 146: 10-19) zu dem Ergebnis, dass täglich ein oder zwei Gläser eines alkoholischen Getränks das Herzinfarktrisiko senken. Ein Einfluss auf die Schlaganfallinzidenz oder die kardiovaskuläre Gesamtsterblichkeit war allerdings nicht erkennbar. 

Die Health Professionals Follow-Up Study beobachtet seit 1986 eine Gruppe von Männern, die in heilkundlichen Berufen (Zahnärzte, Apotheker, Optiker, Osteopathen, Fußpfleger und Veterinäre) tätig sein. Diese werden alle zwei Jahre nach Krankheiten und gesundheitsrelevantem Verhalten und alle vier Jahre nach ihren Ernährungsgewohnheiten befragt, darunter auch zum Alkoholkonsum. Unter den 51.529 Männern sind 11.711 Hypertoniker, von denen 653 bisher einen Herzinfarkt erlitten haben, der bei 279 tödlich verlief. Die Datenbasis ist damit ausreichend, um verlässliche Aussagen zum Einfluss von Alkohol auf die Herzinfarktinzidenz zu erhalten. 

Tatsächlich können Joline Beulens von der Harvard School of Public Health in Boston und Mitarbeiter zeigen, dass ein mäßiger Alkoholkonsum, etwa ein bis zwei alkoholische Getränke am Tag, sowohl das Risiko von tödlichen wie auch nicht tödlichen Herzinfarkten senkt. Nach Angaben der Autoren konnte dieser protektive Effekt von Alkohol erstmals explizit für Hypertoniker nachgewiesen werden. Frühere Studien hatten eine schützende Wirkung für die Allgemeinbevölkerung gezeigt, nicht aber für Hypertoniker, bei denen starker Alkoholkonsum eine blutdrucksteigernde Wirkung hat. Dieser Effekt wird von der aktuellen Studie keineswegs widerlegt. Die Autoren merken auch an, dass ihre Empfehlung nur für den mäßigen Alkoholkonsum gelte, und sie keinen Freibrief für exzessives Trinken ausstellen.

Die Epidemiologen untersuchten auch die Wirkung von Alkohol auf das Auftreten von Schlaganfällen, konnten hier jedoch keinen Einfluss ausmachen. Auch auf die gesamte kardiovaskuläre Sterblichkeit hatte mäßiger Alkoholkonsum keinen Einfluss. 

Wie Alkohol Hypertoniker vor einem Herzinfarkt schützen könnte, ist unklar. Die Autoren vermuten, dass ein Anstieg des HDL-Cholesterins die protektive Wirkung erklärt, oder aber der „Verdünnungseffekt“ auf das Blut, was aber nicht überzeugend klingt. Überhaupt sollte man die Bedeutung von Beobachtungsstudien zum Einfluss des Lebensstils auf Erkrankungen nicht überbewerten, da sie eine Kausalität nicht beweisen. Andererseits ist ein echtes wissenschaftliches Experiment in Gestalt einer randomisierten Studie in dieser Frage wohl kaum denkbar. © rme/aerzteblatt.de

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