Erwachsene Immigranten häufig ohne ausreichenden Impfschutz
Mittwoch, 3. Januar 2007
Montreal - Kanadische Forscher machen auf eine mögliche Quelle von Epidemien von Kinderkrankheiten aufmerksam. Ihre Studie in den Annals of Internal Medicine (2007; 146: 20-24) ergab, dass ein Drittel der erwachsenen Einwanderer im Raum Montreal keinen ausreichenden Antikörperschutz gegen Komponenten der MMR-Impfung hat.
Die geringe Impfrate unter Migranten ist bekannt und auch in Deutschland von den Gesundheitsämtern erkannt worden. Die meisten Initiativen sind jedoch an Kinder und Jugendliche adressiert. Dabei wird übersehen, dass auch viele erwachsene Immigranten keinen ausreichenden Impfschutz haben. Christina Greenaway vom Jewish General Hospital in Montreal hat in einer Seroprävalenzstudie an fünf Kliniken der Stadt 1.480 Erwachsene mit Migrantenhintergrund untersucht.
Zwischen 22 und 54 Prozent (Durchschnitt 36 Prozent) waren nicht immun gegen wenigstens eine Komponente der MMR-Vakzine. Am häufigsten fehlte der Impfschutz bei Frauen. Diese waren beispielsweise zu 70 Prozent häufiger als Männer nicht gegen Röteln immun (Odds Ratio 1,7; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,2-2,6), was im Fall einer Neuinfektion während der Schwangerschaft zu einer Rötelnembryopathie führen kann.
Die kanadischen Forscher raten zu gezielten Impfprogrammen bei erwachsenen Immigranten. Die USA fordert vor der Immigration eine Auffrischung von Impfungen. Ob dadurch jedoch alle Personen erreicht werden, erscheint zweifelhaft, da die Immigration nicht immer legal erfolgt. © rme/aerzteblatt.de
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