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Gentest sagt Lungenkrebs-Rezidiv voraus

Donnerstag, 4. Januar 2007

Taipei - Eine Signatur aus fünf Genen im Tumorgewebe verdreifacht das Sterberisiko beim nichtkleinzelligen Bronchialkarzinom (NSCLC). Dies ergibt sich aus einer Studie im New England Journal of Medicine (2007; 356: 11-20). Sie öffnet den Weg zu einem molekularen Staging bei dieser tödlichsten aller Krebserkrankungen, wie die Editorialisten schreiben. Fernziel ist eine gezielte Chemotherapie der aggressiven NSCLC-Varianten.

Die Studie von Pan-Chyr Yang von der Nationalen Universität Taiwan in Taipei reiht sich ein in die Versuche, mittels der Mikroarray-Technik aus den unzähligen Genen, die in Tumorzellen aktiv sind, jene herauszufinden, die das maligne Verhalten des Tumors bestimmen. Konkret werden die Messenger-RNAs (als Zeichen einer aktiven Genablesung) aus den Zellen extrahiert, die dann in DNA-Schnipsel umgesetzt werden, dessen Existenz mit Fluoreszenz-Markern sichtbar gemacht wird.

In einem ersten Schritt wird die Mikroarray-Technik meist an archivierten Gewebeproben durchgeführt, wobei möglichst viele Gene untersucht werden. In einer früheren Untersuchung hatten Yang und Mitarbeiter auf diese Weise bereits 672 Gene ermittelt, die mit einer erhöhten Invasivität des Tumors assoziiert waren. Die nähere Untersuchung erfolgte jetzt an archivierten Proben von 125 Patienten (alle ohne Chemotherapie).

Die Forscher konnten die Zahl der prognoserelevanten Gene auf 16 reduzieren, von denen vier mit einer besseren und 12 mit schlechteren Überlebenschancen der Patienten assoziiert waren. In einem dritten Schritt reduzierten sie ihr Genprofil auf 5 Gene, die eine besonders ungünstige Prognose der Patienten anzeigen. Diese Beschränkung auf wenige Gene erhöht die Praktikabilität des Gentests, denn eine Mikroarray-Analyse wäre für die klinische Praxis viel zu aufwendig. Fünf Gene lassen sich dagegen mit Gensonden (zum Beispiel Polymerasekettenreaktion) leicht bestimmen.

Die 5-Gen-Signatur wurde an 101 weiteren Patienten untersucht. Dabei kam heraus, dass die 5-Gen-Signatur mit einer Verdreifachung des Sterberisikos (Hazard Ratio 2,82) einherging. Dies bedeutet indes nicht, dass alle Patienten ohne diese Signatur den Krebs überleben. Realistischer ist die Angabe der medianen Überlebenszeit, die von 40 Monate auf 20 Monate fällt, wenn die 5-Gen-Signatur vorhanden ist. Der nächste Schritt bestand in einer Validierung der Ergebnisse in einer weiteren Kohorte. Sie erfolgte zunächst an 60 Patienten der Klinik und schließlich an 86 Patienten europäischer Herkunft. Beide Kohorten bestätigten die Ergebnisse.

Damit haben die Forscher bereits wichtige Vorraussetzungen für eine Anwendung in der Klinik geschaffen, findet der Editorialist Roy Herbst vom M.D. Anderson Cancer Center in Houston. Ein wichtiger Baustein fehlt jedoch noch. Er besteht in der Durchführung randomisierter kontrollierter Studien, in denen Patienten mit ungünstigem Genprofil eine besonders aggressive Chemotherapie erhalten, während sie bei Patienten mit günstigem Genprofil vielleicht abgeschwächt werden kann. Erst wenn die Ergebnisse aus diesen Studien vorliegen, wird man wissen, ob das genetische „Profiling“ medizinisch nützlich ist.

Derartige prospektive Daten konnten nach Auskunft von Herbst bisher für keine Krebserkrankung prospektiv erhoben werden. Nur für das Mammakarzinom lägen erste Daten aus retrospektiven Studien vor, die aber mit einem gewissen Unsicherheitsfaktor verbunden sind. Der Beweis, dass die DNA-Mikroarray-Technik zu einer Verbesserung der klinischen Therapie führt, steht deshalb noch aus. © rme/aerzteblatt.de

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