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Fachgesellschaft warnt vor Muskelschnitt gegen Migräne

Montag, 8. Januar 2007

Essen - Vor einem Schnitt durch einen Stirnmuskel zur Behandlung einer Migräne hat die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) gewarnt. Angeblich lindere der operative Eingriff bei nahezu 80 Prozent der Patienten die Migräne dauerhaft. „Bei der angepriesenen Methode handelt es sich jedoch eher um ein tragisches Beispiel der vorsätzlichen Körperverletzung getarnt als vorbeugende Behandlung“, sagte Prof. Dr. Hans-Christoph Diener von der Abteilung Neurologie am Universitätsklinikum Duisburg-Essen am Montag.

Eine Erklärung für den scheinbaren Erfolg der Operation: Die meisten Patienten sind im Alter zwischen 45 und 55 Jahren. Zu diesem Zeitpunkt bessere sich eine Migräne häufig spontan oder verschwinde sogar völlig. Darüber hinaus haben operative Eingriffe laut Diener oft eine hohe Scheinwirkung. Beispielsweise zeige Scheinakupunktur bei Migräne oft dieselben Erfolge wie echte chinesische Akupunktur: Unter beiden Verfahren halbiere sich die Häufigkeit der Migräneattacken bei der Hälfte der Patienten. 

„Diese Responderrate verdeutlicht den immensen Placeboeffekt, wenn statt Medikamenten Nadeln verwendet werden“, so Diener. Ein weiteres Beispiel seien Studien zum Einsatz des Nervengiftes Botulinumtoxin bei chronischen Spannungskopfschmerzen: In Nacken- und Kopfmuskeln injiziert betrage die Responderrate 70 Prozent. Verwendet der Therapeut statt Botulinumtoxin jedoch Kochsalzlösung, sei der Therapieerfolg derselbe. Auch dies bestätige, dass invasive Verfahren einen deutlich höheren Placebo-Effekt haben als medikamentöse Therapien.  

Die Kosten für die Stirnschnitt-OP betrügen rund 1.500 Euro, die der Patient aus eigener Tasche bezahlen müsse. Ein Neurologe, der eine ausführliche Anamnese erhebe, den Patienten neurologisch untersuche und eine leitliniengerechte Akuttherapie und Prophylaxe der Migräne verordne, bekomme für seine Bemühungen 42 Euro, so der Kopfschmerzexperte.  © hil/aerzteblatt.de

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