Medizin

US-Forscher entdecken Stammzellen in Fruchtwasser

Montag, 8. Januar 2007

Chicago - Stammzellen können nicht nur aus Embryonen, sondern auch aus Fruchtwasser gewonnen werden. Zu dieser Erkenntnis kamen US-Forscher aus dem Bundesstaat North Carolina nach siebenjährigen Studien an Mäusen, deren Ergebnisse sie in der Zeitschrift Nature Biotechnology veröffentlichten. Die aus dem Fruchtwasser gewonnenen Zellen haben demnach die beiden wichtigsten Eigenschaften von Stammzellen: Sie sind extrem vielseitig bei der Entwicklung lebenswichtiger Gewebe und können sich selbst erneuern.

„Wir hoffen, dass diese Zellen für die Wiederherstellung von Gewebe und auch für neue Organe genutzt werden können", sagte Anthony Atala, Chef des Instituts für Regenerative Medizin an der Wake Forest University.

Verschiedene Biomediziner begrüßten die veröffentlichten Ergebnisse. Der Erzeuger des Klonschafs Dolly, Ian Wilmut, sagte dem Wissenschaftsmagazin "New Scientist", die Technik könnte einen "sehr bequemen Weg zur Gewinnung großer Zahlen von Stammzelllinien" bedeuten. Wie Wilmut zeigte sich allerdings auch Lyle Armstrong von der University of Newcastle davon überzeugt, dass auch künftig direkt aus Embryonen gewonnene Stammzellen für die Forschung unverzichtbar blieben.

Jahrelang untersuchten die Wissenschaftler das Fruchtwasser schwangerer Frauen, bis sie feststellten, dass ein verschwindend geringer Anteil, etwa ein Prozent, der dort vorkommenden Zellen den Stammzellen ähnelt. In Versuchen gelang es schließlich, aus diesen Zellen verschiedene neue Zellen zu züchten: Muskel-, Knochen-, Gefäß-, Nerven- und Leberzellen. Bei Versuchen mit diesem neuen Gewebe an Mäusen konnten sogar einige Gehirnfunktionen bei Mäusen mit Hirnschäden wiederhergestellt werden.

Bis zu ersten Versuchen an Menschen dürften den Forschern zufolge noch Jahre vergehen, doch die leichte Verfügbarkeit der Stammzellen in Fruchtwasser wird Atala zufolge die weitere Forschung erheblich erleichtern. „Das Fruchtwasser ist voll mit diesen fötalen Zellen", erklärte der Wissenschaftler. Bei vier Millionen Geburten im Jahr in den USA könnten Stammzellen-Vorräte angelegt werden, die für den Bedarf der gesamten Bevölkerung reichten. „Angenommen, wir hätten 100.000 Proben vorrätig, dann könnten wir für 99 Prozent der Bevölkerung eine genetisch perfekt passende Probe für Transplantationen haben.“

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Der Vatikan sprach von einem Forschungserfolg. Das neue Verfahren sei ein bedeutender Schritt vorwärts und ethisch zulässig, sagte der für Medizinethik zuständige Kurienkardinal Javier Lonzano Barragan der italienischen Tageszeitung "La Stampa" (Montag). Er betonte, die Kirche ermutige zum Fortschritt in der Stammzellforschung und der Gentechnik, so lange die Rechte und die Würde des Menschen von seiner Empfängnis an respektiert würden. Die jüngsten Ergebnisse der US-Forscher zeigten, dass Glaube und Wissenschaft keine Gegensätze bildeten.

Die Forschung mit aus Embryonen entnommenen Stammzellen ist ethisch umstritten und unterliegt unter anderem in Deutschland strengen Richtlinien. © kna/afp/aerzteblatt.de

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