Ausland

Niederlande erlauben Behandlung mit synthetischem Heroin

Donnerstag, 11. Januar 2007

Berlin - In den Niederlanden wurde als zweites Land in Europa Diamorphin als Medikament zur Behandlung der chronischen Opiatabhängigkeit zugelassen. Damit ist eine reguläre diamorphingestützte Behandlung der Patienten und Patientinnen, die auch in den Niederlanden bisher nur im Rahmen klinischer Studien möglich war, langfristig gesichert. Zugelassen ist die Behandlung für schwer kranke therapieresistente Patienten, die seit langem heroinabhängig sind und trotz regelmäßiger Teilnahme an einer Methadonsubstitution keine deutliche gesundheitliche Stabilisierung erfahren. Das gab das Bundesgesundheitsministerium am Donnerstag bekannt.

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing, begrüßte die Entscheidung: „Die Niederlande haben die richtige Schlussfolgerung aus ihrem Modellprojekt gezogen. Die Zulassung ermöglicht es, eine Behandlung für schwer kranke Menschen bereitzustellen, die mit anderen Therapiemaßnahmen nicht ausreichend behandelt werden können“, so Bätzing.

Die Ergebnisse eines deutschen Modellprojektes hatten ergeben, dass die Therapie bei einer Patientengruppe von schwerst Opiatabhängigen, die mit dem synthetischen Heroin behandelt wurden, der Methadonbehandlung deutlich überlegen ist. Ein Antrag auf Zulassung von Diamorphin als Arzneimittel liegt dem für Arzneimittelzulassungen zuständigen deutschen Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) vor. Das BfArM hat den Antrag fachlich positiv beurteilt, kann das Medikament jedoch erst zulassen, wenn zuvor eine Änderung des Betäubungsmittelgesetzes erfolgt, welches derzeit das Verschreiben von Diamorphin verbietet. Eine entsprechende Gesetzesinitiative, die die Bundesregierung und Vertreter von Grünen und Linkspartei befürworten, wurde bislang von CDU/CSU-Gesundheitspolitikern blockiert. Das deutsche Projekt läuft am 31. Juni aus. 

Derzeit befinden sich in den Niederlanden circa 350 Patienten und Patientinnen in acht Spezialambulanzen in diamorphingestützter Behandlung. Es wird erwartet, dass die Zahl im Verlauf des Jahres 2007 bereits auf 500 bis 600 steigen wird. Derzeit ist vorgesehen, die Behandlung auf bis zu 15 Städte auszuweiten und so langfristig 800 bis 1.000 Therapieplätze einzurichten. 

Bisher war die Schweiz das einzige Land, in dem die Behandlung mit Diamorphin Teil der Regelversorgung ist. In zahlreichen weiteren Ländern wie zum Beispiel Spanien und Kanada werden Patienten und Patientinnen im Rahmen von Studien oder Modellprojekten behandelt. © EB/MM/aerzteblatt.de

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