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Schrumpfende Telomere als kardialer Risikofaktor – Halten Statine biologisches Altern auf?

Freitag, 12. Januar 2007

Leicester - Die Länge der Telomere an den Endpunkten der Chromosomen gilt als ein Marker für das biologische Altern. Die Auswertung einer älteren Interventionsstudie zum Wert der Cholesterinsenkung im Lancet (2007; 369: 107-14) zeigt nun, dass kurze Telomere in den Chromosomen mit einem erhöhten kardialen Risiko assoziiert sind. Unter der Behandlung mit einem Statin war dieser Einfluss nicht mehr vorhanden.

Die von der British Heart Foundation gesponserte West of Scotland Primary Prevention Study (WOSCOPS) gehörte zu den Studien, die in den 1990er-Jahren die kardiopräventive Wirkung der Lipidsenkung mit Statinen belegt haben. An der Studie, deren Ergebnisse 1995 vorgestellt wurden, hatten 6.595 schottische Männer mit erhöhten Cholesterinwerten teilgenommen, die auf eine Therapie mit 40mg/die Pravastatin oder Placebo randomisiert worden waren.

Nilesh Samani von der Universität Leicester hat jetzt mit einer neuen Technik in Blutproben, die zu Beginn der Studie tiefgefroren wurden, die Länge der Telomere bestimmt. Telomere sind die Endstücke der Chromosomen, die sich durch die Wiederholung bestimmter DNA-Sequenzen auszeichnen. Beim Menschen sind es bei der Geburt etwa 10.000 bis 20.000 Wiederholungen. Mit jeder Zellteilung werden es weniger, bis schließlich die Zellteilungen gestört sind. 

Der Kardiologe Samani verglich die Länge der Telomere von 484 Personen, die im Verlauf der WOSCOPS eine koronare Herzkrankheit entwickelten, mit der Länge der Telomere von 1.058 Personen, die davon verschont blieben. Es handelt sich um eine Fall-Kontroll-Studie (in der Gesamtkohorte der früheren randomisierten kontrollierten Studie), und die Ergebnisse sollten sicher nicht überbewertet werden. Sie sind aber gleichwohl bemerkenswert. Denn Samani fand heraus, dass unter den Teilnehmern des Placebo-Arms eine klare inverse Assoziation zwischen Telomer-Länge und der Rate der kardiovaskulären Ereignissee bestand. Personen aus der mittleren und unteren Tertile der Telomer-Länge hatten ein doppelt so hohes Risiko, wie jene, deren lange Telomerstücke ein junges molekularbiologisches Alter anzeigten. 

Interessanterweise war eine entsprechende Korrelation bei den Teilnehmern des Pravastatin-Armes nicht erkennbar. In einem Editorial bewerten der Mediziner Ioakim Spyridopoulos und Prof. Stefanie Dimmeler von der Universität Frankfurt die Ergebnisse (Lancet 2007; 369: 81-82). Es sei denkbar, dass verkürzte Telomere im Alter die Funktion der Abwehrzellen beeinträchtigen mit der Folge verminderter Reparaturvorgängen an den Endothelien, was in den Koronarien eine beschleunigte Atherosklerose zur Folge hätte. Statine können über ihre dokumentierte Wirkung auf vaskuläre und entzündliche Zellen diese Folgen des Alterns aufhalten. Das sind allerdings nur Spekulationen. Völlig unklar bleibt, wie Statine die Länge der Telomere beeinflussen könnten. 

Auch eine praktische Konsequenz lässt sich aus den Ergebnissen nicht ableiten. Denkbar wären Labortests, in denen die Länge der Telomere gemessen würde, um dann gezielt vorzeitige biologisch gealterte Personen mit Statinen zu behandeln. Dies scheitert jedoch nach Ansicht der Editorialisten bereits an der hohen Variabilität der Telomerlänge. Die Assoziation zum biologischen Altern kann nur in größeren Kohorten, nicht aber in einzelnen Personen  hergestellt werden.  © rme/aerzteblatt.de

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